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Carla und Achnee - Leben mit "Hindernissen"
Carla und Henry holte ich im Abstand von zwei Wochen bei einem Züchter, denn Kaninchen sollen nicht allein leben. Damals waren sie ca. 8 Wochen alt und furchtbar süß. Die Beiden waren sehr schnell ein Herz und eine Seele.
Während bei Carla die ersten drei Jahre alles gut lief, war mein kleiner Henry von Anfang an unser Sorgenkind. Er war ständig krank, hatte ständig Schwächeanfälle. Ich konnte ihn immer wieder irgendwie aufpäppeln. Im November 2000 bekam er eine Beule am Unterkiefer, die stetig wuchs und dann die beängstigende Größe eines Tischtennisballes erreichte.
Wir gingen zu einem Tierarzt und er schnitt die Beule - einen Abszess auf
und drückte diesen aus. Armer Henry! Henry wurde immer schwächer. Er konnte
nicht mehr allein essen, ich gab ihm Babybrei, er konnte sich nicht mehr
selber sauber machen und sein Kot und Urin verschmierte sich im Fell. Wir
badeten ihn sehr oft. Kurz vor Weihnachten starb mein kleines Bärchen. Ich
war sehr traurig und denke nicht gerne an diese hilflose Zeit zurück zumal
Henrys Bruder desgleichen Wurfes nur 5 Monate später mit den gleichen
Symptomen eingeschläfert wurde (Meine Freundin hatte ihn damals zu sich
genommen). Haben hier die Züchter etwas übertrieben???
Nach drei Jahren fing es auch bei Carla an. Ihre Zähne wuchsen direkt
vorne aus dem Mäulchen raus und mussten regelmäßig vom Tierarzt geschnitten
werden. 2000 traten ihre Augen hervor und wurden immer "aufgeschwommener".
Die beiden Augen verfärbten sich erst grün und dann grau. Vom Tierarzt
erfuhren wir nur, dass Hasen auch den grauen und den grünen Star bekommen
können und das man nichts dagegen machen kann als Augentropfen zu geben, um
den Augendruck zu mindern.
Seit einem Jahr ist Carla auf beiden Augen blind. Das eine Auge sieht ganz
normal aus, das andere Auge ist eingefallen, ist weiß und tränt sehr stark.
Sie hat sich daran gewöhnt und kommt sehr gut mit ihrer Blindheit zurecht.
Beim täglichen Rumlaufen stößt sie zwar ab und zu an, das ist aber nicht
wirklich schlimm.
Im März 2001 sind wir umgezogen und mussten uns auch einen
neuen Tierarzt suchen und wir hatten beim 2. Anlauf Glück und fanden eine
sehr gute und kompetente Kleintierfachärztin. Sie untersuchte Carla sehr
gründlich und stellte fest, dass Carla´s Backenzähne total verwachsen,
vereitert und blutig waren. Sie erklärte uns, dass das leider an der
allgemeinen falschen Ernährung der Hasen liegt. Hasen sollen hauptsächlich
Heu essen, damit sich ihre Backenzähne "abwetzen". Bekommen Hasen, wie auch
unsere Carla, normales Körnerfutter, können die Backenzähne nicht abwetzt
werden und wachsen entgegengesetzt weiter, d.h. zurück ins Zahnfleisch bis
in den Kiefer. Dort entstehen dann schmerzhafte Abszesse, die nur sehr
kompliziert zu entfernen sind oder gar zum Tode der Tiere führen können
(Armer Henry!).
Bei unserer Carla waren 4 Zähne betroffen. Diese wurden
während einer Vollnarkose komplett entfernt und die anderen Zähne wurden
kurz geschliffen. Carla erholte sich sehr schnell von der OP und wir finden,
das es ihr sogar viel besser geht und sie viel aufgeweckter ist als vorher,
sie ist halt ein sehr zähes BIEST :-). Sie bekam nach der OP noch ca. 1
Woche "Clerobe" - ein Antibiotika, welches wir ihr mit Hipp-Babybrei
(Bio-Apfel und Bio-Möhren) in einer Spritze vermischt, verabreichten.
Nach Henrys Tod ließen wir Carla erst einmal allein. Im Mai gingen wir dann das erste Mal
ins Tierheim Langenhagen (Hannover) und fragten, ob es vielleicht einen
kastrierten Hasen gibt der schon 5 oder 6 Jahre alt ist und vom
geschilderten Charakter zu Carla passen könnte, er müsse auch nicht ganz
gesund sein. Leider war nichts Passendes dabei. Wir ließen uns auf eine
Warteliste setzen.
3 Wochen später erhielten wir einen Anruf aus dem
Tierheim, man hätte vielleicht einen passenden Hasenmann für unsere Carla.
Der Kleine wäre aber sehr krank und man wüsste nicht ob er durchkommt. Einen
Tag später standen wir im Tierheim auf der Matte und ließen uns den kleinen
"Achnee" in der Quarantäne zeigen und von ihm erzählen.
Er ist einer Familie zugelaufen, die die Polizei informiert hatte. Achnee ist ca. 5 Jahre alt,
nicht kastriert, hatte schlimmen Husten und Schnupfen, untergewichtig,
verwachsene Zähne, nach Hasenkot duftend, Wund an vielen Stellen (Beton
Stall?); er verliert vielleicht ein Auge (war bei eintreffen im Tierheim
bereits weiß und eingefallen) und befand sich ansonsten in einer sehr
schlechten Allgemeinverfassung.
Ich schloss den kleinen Thüringer Hasen gleich in mein Herz. Wir fanden es so gemein, das Achnee von seinen Vorbesitzern so vernachlässigt wurde und wollten den Kleinen bei uns
aufnehmen. Ab jetzt fuhr ich regelmäßig zum
Krankenbesuch ins Tierheim. Seinen Schnupfen und Husten war er schnell los.
Nach ca. 2 Wochen wurde er kastriert und musste noch ca. 10 Tage in
Quarantäne bleiben. Leider besserte sich sein allgemeiner Zustand in dieser
Zeit nicht. Man vermutete einen Tumor oder einen Abszess hinter dem Auge der
operativ entfernt werden musste, danach wieder 10 Tage in Quarantäne.
Zum
Glück stellte sich bald heraus, das dies keine bösartige Geschwulst war und
er auch keinen weiteren Abszess hinter dem rechten Auge hatte. Das entfernte
Auge wurde so zusammen genäht, das man keines mehr vermutet, wenn erst mal
das Fell nachgewachsen ist. Die Narbe verheilt sehr gut. In der Zwischenzeit
bekam Achnee am linken Unterkiefer einen kleinen Abszess. Sofort wurde mit
der Einnahme von Antibiose begonnen. Er soll und wird dieses Medikament ca.
3 Wochen nehmen! Die Tierpflegerin konnte den Tierarzt umstimmen da wir
bereits reichlich Erfahrung mit unserer kranken Häsin sammeln mussten, somit
konnte ich den Kleinen am 05.07.2001 endlich mit nach Hause nehmen.
Bei uns zu Hause lebte er sich sehr (viel zu) schnell ein. Mit dem einen
Auge kommt Achnee super zurecht. Er frisst viel und gerne Körnerfutter und
Obst, geht aber leider überhaupt nicht ans Heu ran. In der darauffolgenden
Woche ging ich mit ihm zu unserer neuen Tierärztin. Sie untersuchte Achnee.
Seine unteren Schneidezähne waren ca. 2cm lang und wurden erst einmal auf
die Hälfte gekürzt. Die Backenzähne müssen auch gekürzt (abgeraspelt) werden
und der Abszess am linken Unterkiefer kommt von den Zähnen. Mit dem
Antibiotika "Clerobe" soll dieser Abszess eingekapselt werden und sich
verhärten.
Achnee ist sehr liebe- und schmusebedürftig. Zur Zeit sind Beide in
getrennten Käfigen, stehen aber nebeneinander. Die ersten Versuche die
beiden aneinander zu gewöhnen sind so verlaufen, dass er sich über sie her
gemacht hat (Männer denken auch nur an das eine...) und sie hat es sich
gefallen lassen (Frauen auch?). Wir haben die beiden schnell getrennt (Sind
wir gemein???) wussten ja auch nicht ob das ok ist.
Jedes Mal wenn wir die
Beiden danach wieder in den neutralen Raum rauslassen, attackiert sie ihn
mit Fauchen. Er hingegen will sich ihr unterwerfen und ist wirklich sehr
lieb. Da sie ihn nicht sieht sondern nur riecht, denke ich das sie ihn von
vornherein attackiert, damit sie ihm zuvorkommt. Nach ca. 7 Tagen gewöhnen
sich die Beiden langsam aneinander. Sie faucht ihn schon viel weniger an :-)
Ein recht seltsames Verhalten konnte ich bei ACHNEE beobachten; gebärdet er
sich nicht sonderbar wie ein Hund oder eine Katze? Er hat im Arbeitszimmer
die ganze Zeit vor einer Tasche gestanden und gewartet und gerochen. Alle
Viere gespannt am Boden die Ohren nach vorn gerichtet und die kleine Nase
voraus. Einen Tag später bekam ich heraus warum. Da war eine Motte und die
hat er bemerkt. Ein anderes Mal ist er mir die ganze Zeit um die Beine
schlawenzelt und hat Männchen gemacht und an meinen Fingern rumgeknabbert.
Ich vermute, dass er mit einem Hund aufgewachsen ist. Knochen wollten wir
Ihm aber noch nicht geben...
Wir haben die beiden Hasen vor ein paar Wochen einfach zusammen in den
Garten gesetzt und da begann die große Liebe zwischen den Beiden. Sie
verstehen sich prächtig, schmusen zusammen, fressen zusammen und Carla ist
wirklich aufgeblüht seitdem er da ist.
Carla hat Ende Juli wieder angefangen zu humpeln, es hatte sich wieder ein
Abszess an ihrem linken hinteren Gelenklauf gebildet. Die Tierärztin hat es
ausgedrückt und gesäubert. Carla bekam 10 Tag "Eficline". Jetzt ist wieder
Ruhe.
Achnee hatte vor ca. 2 Wochen eine komplizierte Zahn-OP. Seine unteren
vorderen Schneidezähne wurden von ca. 3cm auf ca. 1cm gekürzt und er hat
eine Wurzelbehandlung bekommen. Seine Backenzähne wurden abgeschliffen und
auch er hatte eine fast tischtennisballgroße Tasche/Abszess im Mäulchen, wo
sich Eiter angesammelt hatte. Unsere Tierärztin hat alles enfernt und ihm
noch für 21 Tage "Sotelin Granulat" verschrieben. Achnee ist ganz wild auf
dieses Antibiotikum. Es riecht nach Marzipan...
Mit seinen kurzen Zähnen
kommt er wunderbar zurecht. Er war am Anfang noch sehr vorsichtig und
unsicher beim futtern, doch jetzt kann er uns schon wieder sehr herzhaft
beißen.
Lieben Dank an Silke für diesen Bericht und für ihre Fürsorge um die beiden Racker!
Die hier empfohlenen Ratschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit,
Richtigkeit und Anwendbarkeit, da sie in Summe nur aus den Erfahrungswerten der Autorin,
der Fachliteratur, sowie Berichten / Artikeln unterschiedlichster Herkunft stammen. Die
Seiten über Kaninchenkrankheiten sollen dem Halter einen Überblick über
mögliche Erkrankungen, Symptome und Alarmzeichen verschaffen, um so seinen Blick
zu schärfen. Ein Einblick über derzeitig allgemein übliche Behandlungen
sowie Erfahrungsberichte Betroffener, sollen das Verständnis gegenüber bestimmten
Krankheitserscheinungen wecken, damit er sich das nötige Grundwissen zur Suche des geeigneten
Tierarztes erwerben kann.
Die Tipps ersetzten selbstverständlich
keine qualifizierte Tierarztbehandlung!
Die hier wiedergegebenen Informationen sind lediglich Tipps für die Haltung und Pflege des
Kaninchens und ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden
(z.B. bei Anwendungsfehlern bzw. Falschinterpretation) die aus der Anwendung dieser
Informationen entstehen.
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