Erfahrungsbericht einer Luxation
Mein Hase ist ein dicker, 5 1/2 jähriger
kastrierter Rammler, der zusammen mit einem Meerschwein 24
stündigen Auslauf in meiner Wohnung genießt. Ich bin
berufstätig und studiere, von daher sind meine Tiere
tagsüber meistens alleine und können machen was sie wollen.
Meine Wohnung ist eigentlich kaninchen- und schweinesicher,
dachte ich zumindest immer, und beide sind auch mehr oder
weniger ziemlich ruhig, so dass bisher nicht viel passieren
konnte. (Habe den Hasen nur einmal eingeklemmt hinterm
Schrank vorgefunden, frage mich bis heute noch, wie er denn
dahinter gelangen konnte).
Jedenfalls kam ich Ende September am frühen Nachmittag von
der Arbeit nach Hause und fand den Hasen lang ausgestreckt
liegend vor. Schnell habe ich gemerkt, dass er gar nicht
mehr laufen konnte, sobald er einen Schritt tun wollte,
kippte er zur Seite (aber diese Bemühungen hat er nur auf
mein Veranlassen gemacht, er wollte sich eigentlich gar
nicht mehr bewegen). Das linke Hinterbein stand auch in
einem geringfügigen Winkel vom Körper ab und er schien
insgesamt sehr starke Schmerzen zu haben.
Ich bin sofort zu meinem TA gefahren.
Dieser begutachtete den Hasen kurz, tastete die Beine ab
und sagte, dass nichts gebrochen oder ausgekugelt sein kann,
denn dann wären die Beine unterschiedlich lang. Es könnte
von daher nur ein Bandscheibenvorfall sein. Da ich dem TA
völlig vertraute, gab ich mich damit zufrieden und er Hase
bekam Schmerzmittel und irgendwas gegen Bandscheibenvorfall.
Nach einer Woche trat noch keine Besserung ein und ich bin
zum nächsten TA gefahren. Dieser ist gerade auf Kleintiere
wie Hasen spezialisiert und hat auch anhand eines
Röntgenbildes sofort erkannt, was Sache war. Sein linkes Hinterbein war ausgekugelt.
Leider war inzwischen ein zu langer Zeitraum verstrichen, um das Beinchen einfach wieder einkugeln zu können. Das Einkugeln muss sofort erfolgen oder gar nicht, erklärte mir der Tierarzt. Das Gewebe (Gelenkband) hätte sich inzwischen so stark überdehnt, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit das Gelenk nicht mehr in der Gelenkpfanne halten könne und es wieder herausspringen würde.
Er bot mir 3 Möglichkeiten an.
Die Erste war, dass man das Bein mit Hilfe einer Schraube
oder etwas Vergleichbaren wieder am Gelenk befestigen könne.
Diese Möglichkeit wäre aber sehr unsicher, weil die Gefahr
besteht, dass sich diese Verbindung rasch wieder lösen
könne. Daher wäre davon abzuraten.
Die 2. Möglichkeit wäre
eine hochkomplizierte orthopädische Operation zu wagen
(kann leider nicht wiedergeben, was dabei genau geschehen
sollte). Diese Methode sei sehr gut und sicher, macht man
auch bei Hunden und Katzen mit ausgekugelten Beinen,
Kostenpunkt nur leider ca. 1000 DM.
Die 3. Behandlungsmöglichkeit besteht nur aus 2 - 3 Monaten
abwarten. Der Arzt erklärte mir dabei anhand des
Röntgenbildes, wie sich um das ausgekugelte Gelenkgewebe
Arthrose bildet. Die verletzte Stelle verwächst sich also
praktisch mit der Zeit. Das wäre für ein
Kaninchen nicht tragisch, es bilde lediglich eine leichte
Behinderung, mit der es weiterhin gut leben kann. Nur
springen und rumturnen wäre dann nicht mehr drin. Wenn
wider Erwarten keine oder nur wenig Besserung eintritt
müsste man aber auf die OP zurückgreifen.
Es war eine schwierige Entscheidung für mich. Einerseits
konnte ich es kaum ertragen, meinen Hasen mit diesen
Schmerzen zu sehen, andererseits der Kostenpunkt und vor
allem auch das Risiko der OP (mit 5 1/2 Jahren ist Hase nun
wirklich nicht mehr der Jüngste).
Ich entschied mich fürs Abwarten und hatte damit auch
großen Erfolg. Ich habe dem Hasen ca. 4 Wochen absolutes
Laufverbot erteilt. Zum Glück ging es ihm bis auf
das Bein wirklich gut. Er schien sehr gut
gelaunt und futterte mit Begeisterung.
Seinen Käfig baute ich behindertengerecht um. Ich baute einen Steg, damit er nicht mehr rein- und rausspringen musste. So nach und nach habe ich ihn dann wieder laufen lassen.
Nach 6 Wochen sprang er sogar wieder auf die Couch und kletterte und lief wieder
recht viel. So ist es bis jetzt auch geblieben, er ist fast
wie früher. Insgesamt ist er jedoch ruhiger als
vorher und ganz schmerzfrei ist er mit Sicherheit auch
nicht. Es ist - wie der TA sagte - eine Behinderung mit
der er leben muss.
Jetzt plagt mich das schlechte Gewissen. Ich
hätte gleich beim ersten Tierarzt darauf bestehen müssen, wenigstens röntgen zu lassen. Ich hatte ja das leicht abstehende Bein
bewusst wahrgenommen! Hätte der TA sofort die
richtige Diagnose gestellt, hätte man sofort wieder
einkugeln können und alles wäre so wie früher.
Zum Glück geht es ihm trotzdem wieder gut! - Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wenn es nicht so gelaufen wäre. Ich hätte ihn operieren lassen, auch entgegen den meist verständnislosen Kommentaren meiner Umwelt. Wer ein Tier zu sich nimmt, trägt die Verantwortung für sein Wohlergehen. Dazu zählt manchmal auch einen empfindlichen finanziellen Einsatz für eine Therapie zu bringen.
Stellenweise wurde mir sogar zum Einschläfern geraten. Leider hört man immer wieder vereinzelt von Tierärzten, die bei Knochenbrüchen oder bei schwereren Krankheitsfällen, die eine längere Behandlung voraussetzen, sehr schnell zum Einschläfern raten, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen zu helfen.
Euthanasie ist aber - sollte es zumindest - eine Hilfe beim Sterben sein, wenn es keine Hoffnung oder kein lebenswertes Leben mehr gibt.
Vielen Dank an Daniela für ihren Erfahrungsbericht!
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Die hier empfohlenen Ratschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit,
Richtigkeit und Anwendbarkeit, da sie in Summe nur aus den Erfahrungswerten der Autorin,
der Fachliteratur, sowie Berichten / Artikeln unterschiedlichster Herkunft stammen. Die
Seiten über Kaninchenkrankheiten sollen dem Halter einen Überblick über
mögliche Erkrankungen, Symptome und Alarmzeichen verschaffen, um so seinen Blick
zu schärfen. Ein Einblick über derzeitig allgemein übliche Behandlungen
sowie Erfahrungsberichte Betroffener, sollen das Verständnis gegenüber bestimmten
Krankheitserscheinungen wecken, damit er sich das nötige Grundwissen zur Suche des geeigneten
Tierarztes erwerben kann.
Die Tipps ersetzten selbstverständlich
keine qualifizierte Tierarztbehandlung!
Die hier wiedergegebenen Informationen sind lediglich Tipps für die Haltung und Pflege des
Kaninchens und ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden
(z.B. bei Anwendungsfehlern bzw. Falschinterpretation) die aus der Anwendung dieser
Informationen entstehen.
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