Impfungen
"3 von unseren 4 Kaninchen sind in den letzten drei Tagen an RHD (Chinaseuche) gestorben. Der Witz ist bloß, das die Kaninchen nicht im Freien leben, sondern in der Wohnung gehalten werden. Als wir die Tiere damals impfen lassen wollten, sagte man uns, das in der Wohnung lebende Kaninchen nicht geimpft werden müssen ..."
Leider ist dies kein Einzelfall. Auch letztes Jahr verendeten wieder viele Tiere an der gefährlichen Chinaseuche (RHD), an Myxomatose oder dem sehr verbreitenden ansteckenden (akuten oder chronischen) Schnupfen. Und zu den Betroffenen gehörten eine Vielzahl von Wohnungstieren ohne "Außenkontakt".
Warum Sie Ihre Kaninchen impfen lassen sollten ...
Weil die Übertragungswege dieser Infektionskrankheiten sehr vielfältig sind. Sowohl RHD und Myxo werden von Stechmücken übertragen. Welche Wohnung ist frei von Insekten? Manche Erreger werden durch die Luft oder verseuchtes Grünfutter übertragen. Sie können z. B. an Ihren Schuhen und Ihrer Kleidung haften, nachdem in gefährdeten Gebieten spazieren waren.
Die Übertragungswege von RHD (Chinaseuche) sind z. B.:
- Tröpfcheninfektion über die Luft
- über RHD erkrankte Kaninchen (Vorsicht bei Wildkaninchengästen am heimischen Gehegen
- durch Personen (Kleidung, Hände, Schuhe)
- Futter jeglicher Art, Einstreu
- Insekten
Die Übertragungswege von Myxomatose sind z. B.:
- blutsaugende Insekten (Stechmücken, Stechfliegen, Kaninchenflöhe, Milben, Läuse) als Zwischenträger der Infektion
- Kontaktinfektionen durch
- verseuchtes Grünfutter/Futter
- Fliegen
- vom erkrankten zum gesunden Kaninchen
- durch den Menschen beim Umgang mit erkrankten Tieren
Weder für Myxomatose noch für RHD existiert eine Behandlung. Die Sterblichkeitsrate ist sehr hoch, liegt ca. bei 80%. In wenigen Fällen verläuft die Erkrankung chronisch, also in abgeschwächter Form. Auf Menschen ist Myxo und RHD nicht übertragbar.
Ansteckender Schnupfen - Warum Pasteurellenimpfung?Der ansteckende Schnupfen ist keine klassische Infektionskrankheit, die durch einen definierten Krankheitserreger übertragen wird, sondern eine Multifaktoren-Erkrankung. Es handelt sich dabei um eine sehr weit verbreitete Entzündung der Nasenschleimhäute. Als bakterielle Krankheitserreger kommen mehrere Erreger in Frage: Pasteurella multocida sowie Bordetella bronchiseptica. Allerdings wird noch darüber diskutiert, ob diese Bakterien nur als Sekundärerreger angesehen werden müssen, die sich auf einen noch unbekannten Virus aufpropfen. Der ansteckende Schnupfen hat nichts mit dem menschlichen Schnupfen gemein, er ist nicht auf Menschen übertragbar und umgekehrt. Oft endet er für die Tiere tödlich. Die Sterblichkeitsrate wird jedoch nicht so hoch empfunden, weil sich die Krankheit über einen längeren Zeitraum erstreckt. Sie liegt ca. bei 90%. An sich wären die ersten Symptome wie Schnupfen und häufiges Niesen ertragbar. Leider breiten sich die Bakterien vor allem in den Nebenhöhlen aus, von wo aus eine Behandlung mit Antibiotika zwar möglich ist und den Erreger auch zeitweise stabilisiert, doch die Antibiotika gelangen leider nur in stark vermindeter Konzentration an den Wirkort und könnten die Bakterien nicht vollständig abwehren. Fälle spontaner Heilung sind möglich, aber eher selten. Von meinen 5 infizierten Tieren, wurde nur ein einziges spontan gesund. Alle anderen starben innerhalb von 2 Jahren. Gefürchtete Folgeerkrankungen aufgrund der stark verminderten Abwehrkräfte sind: Mittelohrentzündungen, Bronchitis, Schiefhals, Lungenentzündung, Abszesse ...
Die Übertragungswege des ansteckenden Schnupfens:
- Kontakt mit erkrankten Kaninchen
- Kontakt mit anderen Haustieren: z. B. Hunde sind ebenfalls Überträger von Pasteurellen, Mäuse, Vögel u. a.
Begünstigt werden diese Infektionen durch:
- Zugluft
- schlechte Haltungsbedingungen
Sehr oft stammen infizierte Tiere aus Zoogeschäften, von Züchtern oder von Vorbesitzern mit schlechten Haltungsbedingungen.
Jedoch sind die beiden vermutlichen Erreger-Bakterien auch sonst in der Luft enthalten und bilden immer eine latente Gefahr. Normalerweise sorgt das Immunsystem der Tiere für das gesunde Gleichgewicht der Bakterien im Körper. Wenn die Abwehrkräfte aber geschwächt sind, kann das Tier auch dann am ansteckenden Schnupfen erkranken, wenn er keinen Kontakt mit infizierten Tieren hatte.
Behandelt werden beim ansteckenden Schnupfen nur die Symptome. Antibiotika kann die Krankheit eine gewisse Zeit stabilisieren, aber nicht heilen. Vorbeugung und Stärkung der Abwehrkräfte ist die beste Vorsorge gegen die Krankheit.
Aus eigener leidvoller Erfahrung lege ich deshalb die Kaninchenschnupfenimpfung (Cunivac Past) jeden ans Herz. Gerade bei Jungtieren < 9 Wochen, zeigt die Grundimmunisierung die besten Erfolge. Aber auch bei älteren Tieren, kann die Impfung zu einer deutlichen Erhöhung der Abwehrkräfte bezüglich dieser bakteriellen Erkrankung führen.
Die Impfungen
Um Missverständnissen vorzubeugen: Keine Impfung bietet einen 100%igen Schutz. Trotz Impfung können die Tiere erkranken. ABER ... normalerweise verlaufen diese Erkrankungen sehr viel milder und die Überlebensrate ist sehr viel größer.
Wichtig ist das die Tiere gesund sind, wenn sie geimpft werden. Sollte eine chronische Erkrankung
vorliegen, so sollte der Zustand der Tiere so stabil wie möglich sein. Lassen Sie sich beraten!
Jungkaninchen, ohne "Impfvorbelastung" z. B. indirekt durch die Mutter oder um einen größeren Impfschutz zu gewährleisten können auch grundimmunisiert werden.
Die Impfung zeigt bei Jungkaninchen den größten Erfolg, da das Immunsystem der Tiere am
Aufbau ist. Eine Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen innerhalb kürzester Zeit, i. d. R. innerhalb von 2 Wochen.
Diese werden standardmäßig bei der ersten Pasteurellenimpfung gegeben (sofern die Tiere nicht
von einer Mutter abstammen, die unter Impfschutz steht). Sie wird aber auch von manchen Tierärtzen für die erste
Myxomatose-Impfung angeboten. Indirekt erfolgt die erste "Dosis" der Grundimmunisierung durch geimpfte Muttertiere. Falls die Mutter
ungeimpft war, kann die Erstimpfung der Jungtiere ab der 6. Lebenswoche erfolgen.
Nachkommen geimpfter Muttertieren können ab dem 3. Monat geimpft werden. Lassen Sie sich auf jeden Fall vom Tierarzt beraten!
Myxomatose Impfung
Gegen Myxomatose impft man am besten im März / April, bevor die Mückenzeit beginnt. Sie schützt nur ein 1/2 Jahr. Bei Wohnungskaninchen kann diese Frühjahrsimpfung genügen, für Tiere, die draußen leben, sollte auch im Herbst geimpft werden. Meine Tiere vertragen den Impfstoff gut. Doch es gibt auch Impfrisiken.
Typisch ist die sogenannte Depotbildung des Impfstoffs. Aber die heutigen Impfstoffe sind besser und es kommt kaum noch zu diesem "Knoten", der sich normalerweise aber wieder von selbst auflöst. Speziell bei der Myxo Impfung kann eine sogenannte Impfmyxomatose Folge sein. Es kommt sehr selten vor, aber es passiert ... Es läuft dann eine leichte Form von Myxo ab. Wesentlich ist hier zu erwähnen, dass das Risiko der Impfmyxomatose sich minimiert, wenn das Tier bei der Impfung in einem guten gesundheitlichen Zustand ist.
Normalerweise erfolgt die Impfung mittels einer Spritze ins Muskel- oder Fettgewebe. Aber es gibt auch eine neue Form der Myxomatose-Impfung. Hierbei wird der Impfstoff mittels Pistole ins Ohr injiziert.
Myxomatose Impfung ins Ohr
Die Pistolenimpfung ist eine intrakutane Impfung am Ohr mit einem speziellen Injektor. Im Vergleich zur herkömmlichen Anwendung soll diese Impfform eine bessere Wirksamkeit besitzen. Die Grundlage dafür bildet ein Impfmodus, der einer natürlichen Myxomatoseinfektion durch Stechmücken oder Flöhe nahe kommt und einen zielgerichteten Schutz gegen das Myxomatosevirus aufbaut.
Die Impfung geschieht über Druck ins Ohr, ohne Einstich. Verwendet wird ein Lebendimpfstoff. Die Schutzwirkung setzt bereits nach drei Tagen ein und ist nach 9 Tagen (subkutan nach 15-20 Tagen) voll ausgebildet. Die Dauer der Immunität ist angeblich die gleiche.
RHD (Chinaseuche) Impfung
RHD wird 1 mal im Jahr geimpft. Da der Übertragungsweg noch nicht gänzlich geklärt ist und auch eventuell Mücken in Frage kommen, sollte dagegen auf jeden Fall auch geimpft werden. Nebenwirkungen sind mir nicht bekannt. (Das bedeutet nicht, dass es keine gibt.)
Kaninchenschnupfen Impfung
Kaninchenschnupfenimpfung ist jahreszeitenunabhängig. Zur einmaligen Grundimmunisierung sind 2 Spritzen nötig. Auffrischimpfungen erfolgen in jährlichem Turnus.
Fragen Sie Ihren Tierarzt. Seien Sie aber nicht überrascht, wenn er die Impfung nicht kennt oder Ihnen ausreden will. Der Impfstoff ist relativ neu (1997) und leider steht es bei vielen Tierärzten um die Weiterbildung schlecht.
Nebenwirkungen der Impfung: vor allem in den ersten paar Tagen kann es zu Müdigkeit und Schlappheit der Tiere kommen. Sie erholen sich jedoch rasch.
Außerdem wurde mir von einer Kaninchenbesitzerin berichtet, dass ihre Tiere nach der Impfung auf der Impfseite
ungern mit der Vorderpfote aufgetreten sind, was auf eine lokale Irritation hindeutet. Zudem bildeten sich bei allen ihren
Tieren Impfbeulen (Impfdepots), die sich jedoch - mit Ausnahme bei einem Tier - wieder zurückbildeten.
RHD und Myxo können zusammen geimpft. Die Pasteurellenimpfung würde ich lieber separat machen lassen.
(Herzlichen Dank an "Perlfeh" für die Mitarbeit!)
(Vielen Dank an Tinka für den Erfahrungsbericht!)
Die hier empfohlenen Ratschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit,
Richtigkeit und Anwendbarkeit, da sie in Summe nur aus den Erfahrungswerten der Autorin,
der Fachliteratur, sowie Berichten / Artikeln unterschiedlichster Herkunft stammen. Die
Seiten über Kaninchenkrankheiten sollen dem Halter einen Überblick über
mögliche Erkrankungen, Symptome und Alarmzeichen verschaffen, um so seinen Blick
zu schärfen. Ein Einblick über derzeitig allgemein übliche Behandlungen
sowie Erfahrungsberichte Betroffener, sollen das Verständnis gegenüber bestimmten
Krankheitserscheinungen wecken, damit er sich das nötige Grundwissen zur Suche des geeigneten
Tierarztes erwerben kann.
Die Tipps ersetzten selbstverständlich
keine qualifizierte Tierarztbehandlung!
Die hier wiedergegebenen Informationen sind lediglich Tipps für die Haltung und Pflege des
Kaninchens und ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden
(z.B. bei Anwendungsfehlern bzw. Falschinterpretation) die aus der Anwendung dieser
Informationen entstehen.
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