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Bonnie
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Der Mensch als Kaninchenmami - Jungenaufzucht

Bonnie hatte Glück im Unglück. Gerade war sie auf dem ersten Erkundungsausflug unterwegs, wurde sie von einer Katze entdeckt. Nur dem beherzten Eingreifen einer Tierfreundin hat sie ihr Leben zu verdanken. Doch wer glaubt, damit wäre die Geschichte zu Ende, täuscht...

Bonny war zum Glück schon aus dem Gröbsten heraus. Mit Katzenaufzuchtsmilch gedieh die Kleine prächtig. Wie prächtig, zeigen die Bilder auf dieser Seite. Innerhalb von 3 Tagen wurde dieses intelligente Wesen stubenrein, nach einer Woche kroch es schon zielsicher unter die Bettdecke der Tierfreundin, "überwachte" ihre Korrespondenz per Modem und stellte auch sonst allerhand Unfug an. Da Bonnie ihre Retterin innig liebt und für sie zur Familie geworden ist, werden die Beiden wohl zusammen bleiben.

Jungenaufzucht ist ein Kapitel für sich. Am Schwierigsten ist die Aufzucht von Kaninchensäuglingen im Alter von 1 - 14 Tagen. In einem meiner ersten Kaninchenbüchern stand eine komplizierte Mischung, die als Milch verabreicht werden sollte, mit dem Hinweis, dass es beinahe aussichtslos sei ein so junges Tier durchzubringen. Heute nimmt man dazu Katzenaufzuchtsmilch, z. B. Cimi-lac, die beim Tierarzt erhältlich ist.

Zugegeben, es ist schwierig und setzt einen Großeinsatz der Ziehmuttis und Papis voraus, aber die Chancen stehen bei Beachtung verschiedener Knackpunkte gar nicht mehr so schlecht.

Aufzucht im Alter 1. - 14. Tage
Wichtig bei der mutterlose Aufzucht ist in den ersten Wochen ein warmes Plätzchen. Die Tiere tragen noch kein Fell, benötigen also die Wärme eines Nestes. Wenn Sie noch kein Nest für das Tier haben, müssen Sie eines einrichten. Der Boden muss dick mit Einstreu belegt werden; wenn Sie die Möglichkeit haben ausgerupftes Fell von einem gesunden (!) Kaninchen zu bekommen, dann mischen Sie es unter das Heu, mit dem Sie das Nest auslegen. Als nächstes müssen Sie für eine konstante Temperatur im Nest sorgen. Wenn Sie mehrere Junge haben, dann wärmen sie sich gegenseitig im Nest. Ist das Tier dagegen allein, müssen Sie für die Wärmezufuhr sorgen. Am Besten geschieht das mit Hilfe einer Rotlichtlampe für Kücken. Aber bitte beachten Sie den ausreichenden Abstand zum Käfig! Außerdem soll nur die Hälfte des Käfigs beschienen werden, sonst droht ein Hitzestau und der ist lebensbedrohlich.

Fütterung von Hand
Wichtig bei jedem Kontakt mit dem Tieren ist das Hände waschen. Es mag zwar lästig sein, aber schützt die Tiere und den Menschen vor Infektionen.
Zum Füttern nehmen Sie zum Beispiel eine 1ml-Spritze (ohne Nadel natürlich), damit gelingt das Dosieren am Besten. Die Milch sollte in kaninchenwarmer Wasser angerührt worden sein.

Empfohlen wird in einem Buch auch der Zusatz von Lactobacillis acidophilus (Ref: House Rabbit Handbook) zur Milch. Er soll die Abwehrkräfte des Tieres steigern und Verdauungsprobleme vorbeugen. Befragen Sie hierzu am Besten Ihren Tierarzt!
Eine Tierschützerin, die öfters Wildkaninchen und Hasen von Hand aufzieht, sprach sich jedoch gegen einen solch künstlichen Zusatz aus, weil er möglicherweise den Darmflora-Aufbau beim Kaninchen auf unabsehbare Weise beeinflusst.

In einem anderen Kaninchenbuch fand ich die Empfehlung ein Breitbandantibiotikum zur Milch hinzuzufügen. Doch gebe ich hier zu bedenken, dass zwar Krankheitskeime damit "erschlagen" werden, aber auch das Verdauungssystem der Tiere über Gebühr belastet wird. Selbst für erwachsene Tiere sind Antibiotika eine große Belastung, was bedeutet die Gabe dieses "Hammers" dann erst für Neugeborene? - Die Schädigung der Darmflora sind nicht abzusehen, und Antibiotika sollten nur unter besonderen Umständen, nie vorbeugend, in die Milch gemischt werden. Vorstellen könnte ich mir vorbeugende Antibiotikagaben nur bei Kaninchenjungen, die aus kranken Beständen stammen. Aber dies sollte gründlichst mit dem Tierarzt durchgesprochen werden.

Kaninchenmamis säugen ihre Jungen nur 1 mal am Tag. Die Katzenaufzuchtsmilch stellt aber nur einen mangelhaften Ersatz für die fett- und vitaminreiche Muttermilch dar, die zudem noch eine Reihe von Abwehrstoffen gegen Krankheiten enthält. Bei der Handaufzucht bedeutet das, Sie müssen mehrmals am Tag füttern (4 - 6 Mal am Tag).
ACHTUNG: Zwingen Sie das Futter nicht in die Tiere hinein! - Gelangt die Milch in Nase oder Luftröhre kann sie dort eine tödliche Infektion auslösen. Also sehr vorsichtig füttern und wenn das Tier nicht mehr trinken mag, versuchen Sie es lieber später wieder.

Aufzuchtsmilch muss kaninchenwarm verabreicht werden (ca. 36° C). Kalte Milch kann Kolliken verursachen!!!

Nach der Mahlzeit streicheln sie dem Jungtier sanft über das Bäuchlein Richtung Po. Sie regen damit die Verdauung an (Kaninchenmamis lecken den Bauch und nehmen den Kot der Tiere ab) und verhindern gefährliche Kolliken.

Futtermengen
Laut dem House Rabbit Handbook stellt die folgende Tabelle den Tagesbedarf der Tiere dar. Egal, ob Sie zwei Mal oder sechs Mal am Tag füttern, insgesamt sollten Sie auf folgende Tagesdosis kommen. Aber noch einmal: Die Nahrung nicht in das Tier hinein zwängen! Es braucht Zeit und Geduld... Wenn es nicht alles trinken mag, probieren Sie es später wieder. - Gewichtszunahmen kontrolliert man regelmäßig mit der Waage.

Alter Milchmenge in ml Zugabe des Lactobacillus Acidophilus
Neugeborenes 5 ml 1/2 ml
1. Woche 15 - 25 ml 1 ml
2. Woche 25 - 27 ml 1 ml
3. Woche 30 ml 2 ml
4. Woche 30 ml 2 ml
(Quelle: House Rabbit Handbook)

Ab dem Alter von 2 - 3 Wochen beginnen die Jungtiere sich auch schon für Trockenfutter wie Heu und Pellets zu interessieren. Es gibt inzwischen ein spezielles Aufzuchtfutter (Pellets) von Mucki, das angeblich der Kokzidiose vorbeugen soll. Stellen Sie das Heu und Trockenfutter zusammen mit der Wassertränke bereit, aber lassen Sie das Tier selbst entscheiden, ob es daran knabbern mag oder nicht. Noch ist die Milch sein Hauptfutter.



Literatur:
House Rabbit Handbook (Drollery Press, Marinell Harriman)


Die hier empfohlenen Ratschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Anwendbarkeit, da sie in Summe nur aus den Erfahrungswerten der Autorin, der Fachliteratur, sowie Berichten / Artikeln unterschiedlichster Herkunft stammen. Die Seiten über Kaninchenkrankheiten sollen dem Halter einen Überblick über mögliche Erkrankungen, Symptome und Alarmzeichen verschaffen, um so seinen Blick zu schärfen. Ein Einblick über derzeitig allgemein übliche Behandlungen sowie Erfahrungsberichte Betroffener, sollen das Verständnis gegenüber bestimmten Krankheitserscheinungen wecken, damit er sich das nötige Grundwissen zur Suche des geeigneten Tierarztes erwerben kann. Die Tipps ersetzten selbstverständlich keine qualifizierte Tierarztbehandlung!
Die hier wiedergegebenen Informationen sind lediglich Tipps für die Haltung und Pflege des Kaninchens und ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden (z.B. bei Anwendungsfehlern bzw. Falschinterpretation) die aus der Anwendung dieser Informationen entstehen.
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