Leitfaden für Kaninchenneulinge
Jeder erfahrene Kaninchenbesitzer war meist einmal ein unerfahrener Kaninchenbesitzer.
Dieser Artikel soll helfen die häufigsten Fehler in der Kaninchenhaltung zu vermeiden und
ein wenig Verständnis für die Zwerge aufzubauen.
Viele Gründe führen zur Anschaffung eines Zwergen: knuddeliges Aussehen,
einfache Haltungsbedingungen, Anspruchslosigkeit. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen,
auch die Haltung von Kaninchen bedeutet einigen Aufwand.
Zunächst einmal sollte sich jeder zukünftige Kaninchenhalter darüber klar werden, dass
Kaninchen in der freien Wildbahn in familiären Gruppen leben. Das bedeutet, das Kaninchen ist
kein Einzelgänger wie beispielsweise eine Katze. Artgerechte Haltung heißt für die
Zwerge darum: keine Einzeltierhaltung, sondern zumindest zu zweit. Doch wer glaubt, damit sei
es getan, irrt. Der Grund, warum viele die Einzeltierhaltung bevorzugen, liegt in dem starken Dominanzverhalten
der Tiere begründet. Es kommt zwangsläufig zu Rangkämpfen. Keine zwei Weibchen und
keine zwei Männchen begleiten denselben Rang. Empfehlenswert ist die Haltung von Pärchen, doch
Achtung: mit ca. 4 Monaten sind die Tiere geschlechtsreif.
Inzwischen gibt es zwei Möglichkeiten
bei der Kastration der Rammler: Frühkastration und die "normale" Kastration, die etwa mit 4 - 5 Monaten
gemacht wird. Bei der Frühkastration wird der Rammler vor Eintritt der Geschlechtsreife
kastriert. Er wird somit nie geschlechtsreif, muss nicht vom Weibchen getrennt werden. Bei einerKastration nach Eintritt der Geschlechtsreife, sollte der Rammler 4 - 6 Wochen von dem Weibchen getrennt werden, da noch fortpflanzungsfähige Samen gespeichert sind. Danach muss jedoch mit einer längeren Zusammenführungsphase gerechnet werden, da jede Trennung bei geschlechtsreifen Tieren zu Rangkämpfen führen kann.
Pärchen weiblichen Geschlechts vertragen sich besser, wenn sie schon als
Jungtiere zusammen sind. Paare unkastrierter Rammler vertragen sich in der Regel überhaupt nicht.
Doch auch wenn sich die Tiere vertragen, es kommt immer wieder zu Rangeleien, darum ist ein zweiter
Käfig eigentlich Pflicht. Weitere Infos: --> Kaninchen in der Gruppe
Die richtige Ernährung des Zwergen ist im Grunde ganz einfach und wird doch sehr häufig falsch
gemacht. In der freien Wildbahn fressen Kaninchen hauptsächlich Gras. Genau darauf ist ihr
Verdauungssystem, sowie ihre Zähne abgestimmt und genau deshalb reagieren Kaninchen auf falsche Ernährung sehr
empfindlich. Die Hauptspeise des Zwergen ist Heu und nochmals Heu. Industriell
"veredelt" gibt´s das sogenannte Pressheu. Diese Pellets werden vor allen von professionellen
Kaninchenhalten und in der Zucht verfüttert und sollen das Heu ersetzten. Im Misch- oder Vollfutter
für Kaninchen sind diese Pellets ebenfalls enthalten und werden dort stets von meinen Zwergen heraus
selektiert. Frisches Heu ist ihnen lieber und erfüllt zusätzlich auch noch eine weitere Funktion:
es nutzt die Zähne der Tiere ab. Wichtig: Kaninchenzähne wachsen ständig. Sie sind zwar
keine Nagetiere im strengen Sinne, benötigen aber ständig was zum Knabbern, um die Hauer
abzunutzen. "Knabberstangen" von diversen Herstellern sind was zum Naschen, für diesen Zweck
jedoch völlig ungeeignet. Helfen Sie den Kerlchen, reichen Sie frische Zweige bspw. vom Kirschbaum! - Nicht
nur junge Triebe, Knospen, sondern auch das Entrinden der Zweige erfüllt die Kerlchen mit Freude und gibt
ihnen wirklich was zu schaffen.
Das Körnerfutter wie es mit dem Fertigfutter gereicht wird, ist eigentlich für Kaninchen - trotz anderslautender
Werbung - nicht geeignet. Es enthält neben Samen, auch Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Nüsse. Nun, in kleinen
Mengen, empfohlen wird zwei Eßlöffel pro Tag und Tier ist auch dieses Futter unbedenklich. Ausschließlich
gereicht führt es zu diversen "Wohlstandserkrankungen", Fettleibigkeit als Beispiel, die auch für Kaninchen zum echten
Problem werden kann.
Grün ist für Kaninchen eine magische Farbe. Als ich meine ersten Zwerge bekam, gab´s als
erstes eine gehörige Portion frischen Löwenzahn. Die Kerlchen, sonst nur Trockenfutter
gewöhnt, sprangen sofort darauf an und sogleich waren wir die besten Freunde.
Abends sah´s dann düster aus: Durchfall und lange Hasengesichter. Manchmal kann das bitter enden.
Grün- und Saftfutter ist sehr wichtig für Kaninchen und neben dem Heu die Hauptspeise, aber
ein abrupte Futterumstellung von Trocken zu Grünfutter oder das Zuviel bestimmter Gemüsesorten,
kann schlimme, gar tödliche Folgen haben. Mehr dazu gibt`s unter --> Ernährung, sowie
Verdauungsprobleme - Trommelsucht
Kaninchen sind keine Tiere, die für jedes Kind geeignet sind. Auf jeden Fall sollten die Kinder schon älter sein und vernünftig genug, um verantwortungsbewusst mit den Tieren umgehen zu können. Gerade Kleinkinder oder jüngere Kinder sollten mit den Tieren nicht alleine gelassen werden. Sie gehen noch sehr grob mit ihnen um.
Auch sind Kaninchen keine Kuscheltiere im
eigentlichen Sinne. Katzen können flüchten, wenn ihnen die Streicheleinheiten im
Augenblick unangenehm sind, Kaninchen nicht unbedingt. Aber sie können sich bei eventuellen Abwehrbewegungen doch sehr verletzen. Darum achten Sie darauf, dass Ihr Kind sich der Verantwortung
bewusst ist, und ihm nicht um jeden Preis seinen Willen aufzwingen will.
Denn auch Kaninchen sind sehr eigenwillig. Nur, wenn die Tiere
ernsthaft "käfiggeschädigt" sind, verlieren sie ihre Persönlichkeit und lassen apathisch und scheinbar willig
alles mit sich machen. So ein Kaninchen hatte ich mal. Es traute sich nicht aus dem Käfig heraus, weil es das nicht
gewöhnt war, ließ sich willig durch die Gegend tragen, ertrug bereitwillig alles, was man mit ihm tat. Es schien, als habe
er mit dem Leben abgeschlossen. Nun, nach einiger Zeit, begriff der Knabe, dass er hoppeln durfte, dass es andere um ihn herum
gab... Seine Persönlichkeit entfaltete sich von Tag zu Tag mehr. Er entwickelte Vorlieben und zeigte uns deutlich, was er nicht
so mochte. Kurz: er wurde ein selbstbewusstes, eigenwilliges, freches Kerlchen.
Damit die Tiere die Chance auf diese Entwicklung überhaupt haben, müssen sie oft und ausgiebig hoppeln dürfen.
Zwingen Sie dem Tier nie Streicheleinheiten auf, wenn es die durch Gesten ablehnt (weghoppeln, Hand wegstupsen, gar beißen, arg
strampeln.). Beschäftigen Sie sich viel mit ihm, besser noch, er hat einen Partner mit dem er
sich ausgiebig beschäftigen kann. Aber Achtung: Achten Sie beim Freilauf des Kaninchens auf Ihre
Wohnungseinrichtung! Kabel, Tapeten, Teppiche, Pflanzen, auch giftige, werden angeknabbert. Ein
angeborenes Wissen um die Giftigkeit einer Pflanze gibt es nicht. Die Tiere lernen durch
Probieren.
Offene Schränke oder Nischen, Regale sind willkommene Verkriechecken - verbauen Sie sie, wenn Sie nicht
möchten, dass die Tiere darunter verschwinden.
Am Schönsten ist es, wenn das Tier im Garten hoppeln darf. Hier sei der Bau eines Freigeheges
empfohlen, am Besten mit Katzenschutz!
Weitere Info: --> Freigehege
Die hier empfohlenen Ratschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit,
Richtigkeit und Anwendbarkeit, da sie in Summe nur aus den Erfahrungswerten der Autorin,
der Fachliteratur, sowie Berichten / Artikeln unterschiedlichster Herkunft stammen. Die
Seiten über Kaninchenkrankheiten sollen dem Halter einen Überblick über
mögliche Erkrankungen, Symptome und Alarmzeichen verschaffen, um so seinen Blick
zu schärfen. Ein Einblick über derzeitig allgemein übliche Behandlungen
sowie Erfahrungsberichte Betroffener, sollen das Verständnis gegenüber bestimmten
Krankheitserscheinungen wecken und damit er sich das nötige Grundwissen zur Suche des geeigneten
Tierarztes aufbauen kann.
Die Tipps ersetzten selbstverständlich
keine qualifizierte Tierarztbehandlung!
Die hier wiedergegebenen Informationen sind lediglich Tipps für die Haltung und Pflege des
Kaninchens und ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden
(z.B. bei Anwendungsfehlern bzw. Falschinterpretation) die aus der Anwendung dieser
Informationen entstehen.
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