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Hund & Kaninchen
Rangkämpfe

Die "K. und K.- Monarchie"

"Allem Anfang wohnt ein Zauber inne"

Wie wahr doch diese Zeilen von Hermann Hesse sind, vor allem auch, weil dieser Zauber seit drei Jahren bei uns herrscht und hoffentlich noch lange nicht vorbei sein wird. Angefangen hat alles im Sommer 2000, als ich darüber nachdachte, ob nicht gut noch ein weiteres Tierchen bei uns einziehen könne. Die Frage war nun, welches am Besten zu uns passt. "Uns" waren damals außer mir meine wunderbaren Katzen

Bilbo (damals 10 Jahre) und

Julchen (damals 6 Jahre).

Am schönsten wäre ein Kaninchen, beschloss ich, und von einer guten Bekannten wusste ich, dass Katzen und Kaninchen durchaus gut zusammenleben können. Bei uns sollte also ein Kaninchen einziehen, und zwar ein Böckchen, dass ich - komme was wolle - "Kasimir" nennen wollte.

Von da an erzählte ich meinem Katzen jeden Tag etwas in der Art "der Kasimir zieht bald bei uns ein", "wir bekommen ein neues Familienmitglied, den Kasimir" usw. Mit dieser Art "Dialog" habe ich gute Erfahrungen gemacht, indem man immer wieder Namen nennt (auch z.B. bei Besuch, der kommen soll), gewöhnen sich die Tiere an den Klang, so dass er schon vertraut ist, wenn derjenige denn da ist. Ich informierte mich gründlich in Büchern und auch bei meiner Bekannten, was denn alles gebraucht wird und zu beachten ist, und als der Großeinkaufstag für die Ausstattung kam, hatte ich schnell alles zusammen, vom Käfig über Heu und Nippelflasche bis zu einer schönen Wurzel zum Verstecken. Das wurde zuhause auch gleich inspiziert und für gut befunden:

Nun musste es nur noch Samstag werden!

Tipp:

Absolut wichtig ist es, die schon vorhandenen Tiere genau zu beobachten und einzuschätzen, wie sie wohl auf ein weiteres Tier reagieren würden. 100% kann man das natürlich nie voraussagen, manche sonst sanftesten Hausgenossen mutieren u.U. plötzlich zu wild um sich geifernden Furien. Daher ist es besonders wichtig, sollte das Zusammenführen überhaupt nicht gelingen (man muss allerdings schon etwas Geduld haben und darf nicht zu schnell aufgeben) und beispielsweise blutige Auseinandersetzungen drohen, einen Platz für das neue Tier zu haben, damit es nicht (wieder) im Tierheim landet. In unserem Fall hätte meine Bekannte das Kaninchen genommen.

Des weiteren sehr wichtig - eigentlich sollte es ja ganz selbstverständlich sein - gründlichste Informationen über den neuen Hausgenossen sammeln. Da sollte man nicht nur Bücher lesen (sind im Falle von Kaninchen auch nicht besonders ausführlich), sondern auch Arbeitskollegen, Nachbarn usw. fragen, die ein Kaninchen haben, und das Internet nutzen. Erst dann kann man überlegen, ob die Bedürfnisse der Tiere wirklich zusammenpassen und ein Zusammenleben möglich ist.

"Kasimir" zieht ein

Endlich kam er; Samstag, der 5. August 2000!
Zuhause war alles vorbereitet, Freitags hatte ich einen Waschlappen präpariert, d.h. die Katzen und mich damit gründlich abgerieben, damit er schön nach uns riecht, den ich dann in den Caddy legte und im Tierheim hatte ich angerufen, ob auch Kaninchen da wären - es konnte losgehen.

Die Entscheidung wurde mir dann auch leicht gemacht. Ich hatte zuerst einen Blick auf ein kleines Böckchen geworfen, obwohl ich im Nachbargehege schon so ein wunderschönes schwarzes Etwas gesehen hatte (aber nur nach der Optik wollte ich ja nicht aussuchen). Das Böckchen war jedoch noch nicht zur Vermittlung freigegeben, so dass ich mich also mit vollem Einsatz dem schwarzen Etwas widmen konnte - dem Klementinchen. Das war es! Das war mein Traumkaninchen! Relativ groß (2,5 kg), schwarz bzw. ganz dunkelbraun mit riesigen braunen Augen.

Ist sie nicht wunderschön?

Die Formalitäten waren schnell erledigt und ab ging´s nach Hause. Unterwegs habe ich immer viel mit ihr gesprochen, immer wieder gesagt "es geht nach Hause zu Bilbo und Julchen" usw. - auch hierbei immer wieder die Namen der beiden Katzen genannt, damit schon etwas Vertrautes entsteht.

Endlich zuhause!. Nun ja, ein Böckchen hatten wir nicht, und mit "Kasimir" wurde es auch nichts, aber dafür zog das Klementinchen bei uns ein!
Ich bin nun kein Anhänger dieser Ratschläge in der Art von: erst mal im Käfig lassen und von dort aus kennen lernen, möglichst ein paar Wochen lang oder erst mal in ein separates Zimmer zum Eingewöhnen usw. Der Normalzustand bei uns sollte ja nicht "einer im Käfig und zwei draußen" sein, sondern "alle zusammen in der ganzen Wohnung". Also: Caddy auf, abwarten und beobachten.

Zunächst mal passierte nichts. Bilbo und Julchen saßen in einigem Abstand und schielten sehr interessiert zum Caddy, blieben aber in ihrer Beobachtungsposition. Klementinchen schielte über den Rand, blieb aber ansonsten bewegungslos sitzen. Eigentlich das Beste, was passieren konnte: so wurde weder der Jagdtrieb der Katzen ausgelöst noch eine entsprechende Fluchtreaktion des Kaninchens. Es ist ja nicht so, dass Katzen sofort auf eine mögliche Beute losspringen, sie warten erst mal ab und beobachten, bewegt sich die "Beute", dann nichts wie los. Ebenso rennt ein Kaninchen nicht sofort los, wenn es Feinde wittert, diese sich aber nicht auf das Kaninchen zu bewegen. Auch ein Kaninchen wartet - natürlich jederzeit sprungbereit - erst mal ab.

Meine Bekannte und ich schauten uns das ca. 2 h an, dann hob ich Klementinchen aus dem Caddy. Aber auch dann: kein plötzliches davon spurten, also auch keine Jagd durch die Katzen, die mal ein bisschen umherschlichen, sich ansonsten aber tadellos benahmen. So ging dann der erste Tag auch zu Ende: Klementinchen hoppelte ein bisschen, die Katzen schlichen und fauchten ein bisschen, ich war immer - ein bisschen - auf der Hut.

Für wen dieser erste Tag aufregender war, kann ich nicht sagen. Abends waren wir alle erledigt, obwohl es Klementinchen gar nicht gefiel, als sie dann in den Käfig musste. Sie konnte ja auch nicht wissen, dass es jetzt jeden Tag ganz viel Auslauf geben sollte! Der Sonntag verlief ähnlich wie der Samstag: meine ganze Aufmerksamkeit galt meiner kleinen Familie. Klementinchen hatte den ganzen Tag Auslauf, musste abends dann allerdings für die Nacht wieder in den Käfig. Es klappte tadellos, immer viel reden, sich allen gleich aufmerksam widmen, immer in Bereitschaft, sollte es zu plötzlichen Bewegungen kommen. Spannend wurde es dann wieder Montags. Was würde ich abends vorfinden, wenn ich von der Arbeit komme? Klementinchen war im Käfig, körperlich konnten ihr die Katzen nichts, was aber nicht heißt, das es nicht andere Methoden gibt, jemanden zu tyrannisieren, wenn Katze will, die sind da sehr erfinderisch. Als ich dann ganz aufgeregt nach Hause kam - alles wunderbar gegangen, kein gestresstes Klementinchen im Käfig, im Gegenteil eins, dass sich schon auf den Auslauf freute! Dieser Wunsch wurde dann auch prompt erfüllt!

Tipps:

Ich finde es schon wichtig, irgendwas einzupacken, was nach dem neuen zuhause riecht. Wichtig ist auch, immer wieder mit dem neuen Hausgenossen zu sprechen während des Transports, so dass er sich zum einen an die Stimme gewöhnen kann und zum anderen immer ein Kontakt besteht. Einen Caddy bzw. eine Tasche (z.B. wenn man den umgekehrten Fall hat und eine Katze transportiert) während der Fahrt zu öffnen und zu streicheln, ist zu gefährlich, zu schnell kann das Tier rausspringen. Da sollte man dann verbal Kontakt halten.

Wie oben beschrieben, bin ich nicht der Meinung, man sollte Tiere erst getrennt eingewöhnen und dann vergesellschaften. So müssen sich die Tiere quasi zweimal an neue Situationen gewöhnen: erst das Kaninchen im Käfig, dann plötzlich Kaninchen nicht mehr im Käfig (andersrum natürlich genauso, wenn eine Katze zu Kaninchen dazukommt). Außerdem ist es viel schlimmer, wenn soweit alles wunderbar zwei Wochen lang klappt und man dann aber beim gemeinsamen Auslauf feststellt, dass es einfach unmöglich zusammen geht. Nach zwei Wochen ein Tier noch mal abzugeben, finde ich nicht sehr gut. Und der angestrebte Normalzustand soll ja nun mal "alle im Auslauf" sein, da sollte man den auch von vornherein praktizieren. Zudem kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es angenehm für ein Kaninchen ist, im Käfig quasi "in der Falle" ohne Fluchtmöglichkeit zu sitzen (es weiß ja nicht, dass es dort "sicher" ist) und von Katzen begafft zu werden, die mal mehr mal weniger dicht um den Käfig rumschleichen. Da halte ich es für besser, Fluchtmöglichkeiten (Kartons, Wurzeln usw.) in der Wohnung anzubieten, so dass das Kaninchen seiner natürlichen Verhaltensweise nachgehen kann, sollte es sich bedrängt fühlen.

Ideal ist es, jemanden beim ersten Kennenlernen dabeizuhaben, der sich schon mit Kaninchen auskennt. In diesem Fall war das meine Bekannte. So konnten wir zu zweit beobachten und notfalls eingreifen. Für alle Fälle sollte man auch die Bachblüten- Notfalltropfen bereithaben und eine Blumenspritze (immer gut, wenn man Katzen von irgendwas abhalten will). Außerdem hat es den Vorteil, dass man das Zimmer verlassen kann und immer noch jemand da ist, der aufpasst.

Immens wichtig ist es, die Tiere genau im Blick zu haben, auf jede Mimik und jede Bewegung zu achten. Dabei sollte man immer mit den Tieren sprechen und auch immer alle einbeziehen, etwa so "hier wohnen ab heute Bilbo, Julchen und Klementinchen", "das Klementinchen zieht heute zu Bilbo und Julchen". Will man streicheln, dann immer alle streicheln, so dass niemand bevorzugt aber auch niemand vernachlässigt wird. Überängstlich sollte man aber auch nicht sein. Am zweiten Tag beispielsweise sollte man immer mal kurz aus dem Zimmer gehen und genau auf Geräusche achten sowie sich zurückschleichen, um möglichst unbemerkt einen Blick auf alle werfen zu können. Das sollte man auch ruhig für die nächsten Tage beibehalten. Nach einigen Tagen kann man dann für kurze Momente während des Auslaufs mal die Wohnung verlassen. Beim Zurückkommen immer ganz genau beobachten, was sich verändert hat. Sitzen alle plötzlich woanders? Ist das Kaninchen in irgendeiner Ecke verschwunden? Macht es einen ängstlichen oder verstörten Eindruck? Welchen Eindruck machen die Katzen, eher gleichgültig oder angespannt? Das ist auch ein wichtiger Punkt, wenn man nach Hause kommt und das Kaninchen war den Tag über im Käfig. Dort ist es zwar vor körperlichem Schaden geschützt, trotzdem kann es durch die Katzen ganz schön bedrängt werden, z.B. auch durch Pfötchen, die durch das Gitter gestreckt werden.
Auch wir haben ca. 1 1/2 Jahre "klassisch" gelebt, d.h. Klementinchen war nachts und während meiner Abwesenheit im Käfig, heute hat sie gottseidank Dauerauslauf.

Die Frage, welches Alter für eine Zusammenführung besonders geeignet ist, lässt sich kaum beantworten. Die gängige Meinung ist, es ginge mit jungen Tieren am Besten. Da ist sicher auch einiges dran, meine eigenen Erfahrungen zeigen aber, es geht auch mit "alten" Tieren: Bilbo war 4 Jahre alt, als die Jule dazukam, er war 10 und Julchen 6 Jahre, als Klementinchen, damals 3 Jahre alt, einzog. Wichtiger ist die Mentalität der Tiere, ihre Sozialverträglichkeit. Im Falle Kaninchen zu Katze(n) würde ich immer ein etwas größeres, aufgewecktes dominantes Kaninchen nehmen, das sich behaupten kann. Mit einem Kaninchen, dass schon einen ängstlichen Eindruck macht, sollte man es nicht versuchen. Zum einen bedeutet es immensen Stress für das Kaninchen, zum anderen könnten die Katzen hier "leichtes Spiel", sprich jemanden zum Unterbuttern, wittern. Im umgekehrten Fall (Katze zu Kaninchen) gilt ähnliches. Ich würde eine ausgewachsene Katze (so ab 1 Jahr) wählen, evtl. eine Rassekatze, da hat man ja auch im Tierheim oder bei sonstigen Pflegestellen heute große Auswahl und man kann sich vorher über die Eigenschaften der einzelnen Rassen gut informieren, oder einfach dem eigenen Instinkt folgen und die aussuchen, die einem am Besten gefällt. Sie sollte einen aufgeweckten und selbstbewussten Eindruck machen, denn auch sie muss sich behaupten können. Man sollte nicht den Fehler machen und diese samtäugigen niedlichen Wackelnasen unterschätzen! Eifersüchtige und dominante Kaninchen können wahre Biester sein und "Katzenbeißen" geht schließlich auch! Aber davon demnächst mehr.

Bis zum nächsten Mal
Sylvia, Bilbo, Julchen und Klementinchen


Vielen Dank an Sylvia für den Artikel :-)


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Die hier empfohlenen Ratschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Anwendbarkeit, da sie in Summe nur aus den Erfahrungswerten der Autorin, der Fachliteratur, sowie Berichten / Artikeln unterschiedlichster Herkunft stammen. Die Seiten über Kaninchenkrankheiten sollen dem Halter einen Überblick über mögliche Erkrankungen, Symptome und Alarmzeichen verschaffen, um so seinen Blick zu schärfen. Ein Einblick über derzeitig allgemein übliche Behandlungen sowie Erfahrungsberichte Betroffener, sollen das Verständnis gegenüber bestimmten Krankheitserscheinungen wecken, damit er sich das nötige Grundwissen zur Suche des geeigneten Tierarztes erwerben kann. Die Tipps ersetzten selbstverständlich keine qualifizierte Tierarztbehandlung!
Die hier wiedergegebenen Informationen sind lediglich Tipps für die Haltung und Pflege des Kaninchens und ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden (z.B. bei Anwendungsfehlern bzw. Falschinterpretation) die aus der Anwendung dieser Informationen entstehen.
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