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Fliegenmadenbefall
(Übersetzung eines Berichts der House Rabbit Society vom Ruecker-Web)

Ungebetene Gäste Teil II - Fliegenmaden

In der warmen Jahreszeit lauert auf das Kaninchen eine besonders fiese Gefahr: die Schmeißfliege. Magisch angezogen werden sie von offenen Wunden, dem Geruch von Durchfall oder Urin. Dadurch sind vor allem ohnehin schon geschwächte Tiere betroffen.

Auch wenn man darauf vorbereitet ist, auf eventuellen Durchfall oder Wunden beim Tier achtet, es kann trotzdem passieren... Gerade das gut gepflegte Hauskaninchen ist anfällig, vielleicht weil es selbst als krankes Tier bei intensiver, liebevoller Betreuung ein langes, erfülltes Leben führen kann.

Als ich mein an Pasteurellen leidendes (ansteckender Schnupfen) Kaninchen im Garten hoppeln sah, dachte ich erst nicht Schlimmes. Seit Wochen kein richtiger Durchfall, keine offene Wunde und das Fell sah auch gepflegt aus. Als Schiefhals Patientin mit einer leichten Hinterhandlähmung, die sie in ihrer Bewegungsfreiheit kaum einschränkte, entging mir jedoch die Tatsache, dass mein Tier durch die besondere Verdrehung der Wirbelsäule sich bei jedem Pipi ein wenig die Hinterläufe einnässt. Ein verhängnisvoller Fehler, der mir erst bewusst wurde, als ich das rege Interesse der Schmeißfliegen bei ihrem täglichen Ausflug in den Garten wahrnahm.

Alarmiert nahm ich mein Kaninchen mit ins Bad, zur gründlichen Wäsche des Hinterteils. Erst fielen mir kleine weiße Punkte im Fell auf, die gut von Pflanzensamen hätten stammen können. Aber dann kam mir eine richtige Made entgegen. Die ganze Wahrheit eröffnete sich uns in einer zweistündigen Reinigungsaktion, in dem wir alle Nester aus dem Fell heraus wuschen und jede einzelne Made sorgfältig entfernten. Teilweise hatten sich die gefrässigen Larven schon in ihre Haut gefressen. Eine Wunde, quer über ihren gesamten Popo, sowie wunde Stellen an After, Genitalien und den beiden Hinterläufen. Danach gings ab zum Tierarzt. Ein Spray mit Insektengift vernichtete die restlichen Maden, die wir nicht gefunden hatten.

Jede Stunde zählt bei Fliegenmadenbefall. Insofern hatten wir Glück und konnten das Tier wahrscheinlich retten. Wenige Stunden Vorsprung bleiben dem Tierhalter nach dem Legen der Eier ins Fell oder in die offenen Wunden des Tieres, um sie vor dem schwerwiegenden, tödlichen Werk der Larven zu retten. Sie bohren sich nicht nur in die Haut oder in Wunden, je länger man ihnen Zeit gibt, desto tiefer fressen sie sich in den Körper des Tieres, greifen schließlich Muskeln und Organe an. In diesem Fall kommt jede Hilfe zu spät.

Vorbeugung
Regelmäße Fellkontrollen mit dem Flohkamm sind vor allem bei kränklichen Tieren vonnöten. Aber in heißen, fliegenreichen Sommern, können die Fliegen auch gesunde Tiere angreifen. Alter und Gesundheitszustand scheinen hierbei keine Rolle zu spielen. Es reicht eine Unpässlichkeit des Tieres zur falschen Zeit und schon hat man ein Problem. Eine Lupe ist äußerst hilfreich. Fliegenlarven und Eier im Anfangsstadium erkennt man als kleine, weiße Würmchen, mit bloßen Auge könnte man es für feine Schuppen oder Pflanzensamen halten. Unter der Lupe bewegen sie sich. Sind Maden erst ausgeschlüpft, was unschwer zu erkennen ist, ist höchste Alarmstufe angesagt. Vorbeugend kann man bei gefährdeten Tieren regelmäß Fellpuder zur Insektenvernichtung, sowie Käfigdesinfektion vornehmen. Fliegengittern an den Fenstern oder über den Käfig gedeckt, helfen, lästige Insekten fernzuhalten. Gänzlich eliminieren kann man sie wohl nie. Bedenken Sie jedoch beim Einsatz von Insektenvernichtungsmittel die giftigen Ausdünstungen im Zimmer (eventl. draußen anwenden) und achten sie darauf, dass nichts in die Augen auf die Schleimhäute der Tiere gelangt (Bedienungsanleitung genau lesen!). Im Zweifelsfall fragen Sie Ihren Tierarzt!

Wichtig ist ebenfalls, das Tier trocken zu halten. Baden Sie das Tier nie, es sei denn um Fliegenlarven zu entfernen oder verklebten Durchfall schonend aus dem Fell zu reinigen. Danach muss das Tier jedoch gründlich getrocknet werden (Handtuch, danach schonende Trocknung mittels Fön, kleine Stufe), sonst droht sich das Tier zu erkälten. Außerdem zieht Feuchtigkeit Fliegen wieder an!

Lesen Sie zur vorbeugenden Fellpflege auch die Übersetzung eines Artikels von der House Rabbit Society, die engagierte Kaninchenbesitzer ins Web gestellt haben: Fliegenmaden

Behandlung
Hat man die Unholde entdeckt, müssen sie sofort entfernt werden. Eier spült man unter laufendem lauwarmen Wasser sorgfältig aus. Danach kommt ein Antiparasitikum in Form von Spray zum Einsatz. Maden müssen einzeln aus dem Fell bzw. der Wunde mit Hilfe einer Pinzette entfernt werden. Diese Arbeit ist nicht ganz angenehm, weder für Tier und Mensch. Lassen Sie sich also von Ihrem Tierarzt helfen, wenn Sie sich unsicher sind. WICHTIG: Kontrollieren Sie sorgfältig auch die Arbeit des Tierarztes nach. Nicht nur Ihnen ist diese Arbeit unangenehm. Verlassen Sie sich also nicht nur auf die große Giftkeule. Wir hatten noch am folgenden Tag, nach Einsatz des Insektengiftes und unserer sorgfältigen Suche, Maden entdeckt und mussten die Prozedur wiederholen. Die Larven hatten sich gut versteckt!

Wenn die Maden rechtzeitig entdeckt wurden, stehen die Chancen für das Tier ganz gut. Dann ist die Wundheilung das größere Problem.
Wenn die Larven allerdings schon tief in den Körper des Kaninchens vorgedrungen sind und dort große Schäden angerichtet haben, ist Euthanasie vorzuziehen.

Nachbehandlung
Hat man die Übeltäter rechtzeitig entdeckt und vernichtet, ist die Wundbehandlung und Krankenpflege des Tieres angesagt. Bis zum vollständigen Abheilen der Wunden ist äußerste Hygiene angesagt. Am besten Sie halten Ihr Tier in dieser Zeit einstreulos, damit sich kein Dreck in die Wunden setzten kann. Wolldecken, alte Bettwäsche (Biber eignet sich besonders), Handtücher, die alle natürlich vorher den Kochwaschgang der Waschmaschine durchlaufen haben, dienen als Einstreu-Ersatz und sollten täglich gewechselt werden. Besteht "Fliegengefahr" in der Wohnung, sollte vorsorglich der Käfig desinfiziert werden mit entsprechenden Mitteln. Beachten Sie hierbei genau die Anwendungsbeschreibung. Die Tiere dürfen nicht im Käfig sitzen, während der Desinfektion und erst wieder in den Käfig hinein, wenn der beißende, reizende Duft verschwunden ist. Lüften!

Wundbehandlung erfolgt verschieden: wir haben eine großflächige Wunde mit einer feuchten antiseptischen Kompresse, die über einen "Strumpfverband" auf der Wunde fixiert ist. Unsere Tierärztin hat uns wegen der Größe der Wunde ein Mittel aus der Humanmedizin mitgegeben, das bei Brandopfern Verwendung findet.

Hier sind noch einige Behandlungsmethoden, die ich aus Diskussionen im Kaninchenforum (-> siehe Linkliste) erfahren habe. Nochmals vielen Dank an alle für die hervorragende Unterstützung und die vielen Tipps!!!

In anderen Fällen wurde die Wunde des Tieres täglich mit Wasserstoffperoxid desinfiziert, ansonsten offen gelassen.

Eine andere Methode ist eine Salbe names Socatyl. Diese wird dick auf die Wunde geschmiert. Sie ist sehr klebrig, trocknet und fällt nach zwei Tagen ab.

Wundbehandlung ist natürlich sehr individuell und hängt von der Art und Größe der Wunden ab. Der Tierarzt wird hierfür die jeweils beste Behandlung wählen.

Unterstützende Maßnahmen
Zur Unterstützung der normalen Wundheilungsprozesse können homöopathische Mittel eingesetzt werden.

Empfohlen hierbei laut 1):
Hepar sulfuris D6: bei einer schlecht heilenden, eitrigen Haut.
Psorinum D6 (ist leider nicht mehr im Handel erhältlich, ich nehme darum die Potenz D30)
Arsenicum album D6
Mehrmals täglich 5 Globuli entweder direkt eingeben, oder auch im Trinkwasser auflösen.

Zusätzlich wird eine homöopathische Herz-, Leber- und Nierentherapie empfohlen:
Cardiacum Tabletten (Fa. Heel): 1 Tablette täglich
Lycopodium D6: Lebertherapie
Berberis D4: Nierentherapie

(Kosten: ca. 10,- DM für jedes Fläschchen mit Streukugeln bzw. Tabletten)

Bachblüten zur Unterstützung der Heilungsvorgänge können auch eingesetzt werden. Diese Therapieform ist etwas teurer, jede Essenz kostet ca. 20,- DM. Empfohlen hierbei laut 2):

Crab Apple: sorgt dafür, dass alle giftig wirkenden Substanzen, die sich bei einer schweren Verletzung bilden, schnell ausgeschieden werden; außerdem lindert er die schädlichen Nebenwirkungen von Antibiotika, die oft mit verabreicht werden.
Scleranthus, wenn die Heilung nur zögernd einsetzt, um die Heilungskräfte des Körpers zu mobilisieren.
Olive und Hornbeam zur allgemeinen Stärkung und Anregung der Heilkräfte.
Rescue Remedy (Notfalltropfen), leiten den Heilungsprozess ein.

Folgendermaßen werden die Tropfen dosiert: je 1 Tropfen auf 5 ml Wasser, die Notfalltropfen werden allerdings mit 2 Tropfen je 5 ml Wasser dosiert. Diese Lösung kann man direkt mit einer Spritze (ohne Nadel) oder ins Trinkwasser geben.



Literatur:
House Rabbit Society
1) Kaninchen - Homöopathie und Kräuteranwendung, Dr. Alois Weber, Ennsthaler Verlag
2) Bach-Blütentherapie für Haustiere, Anne Lindenberg, Pala Verlag

Die hier empfohlenen Ratschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Anwendbarkeit, da sie in Summe nur aus den Erfahrungswerten der Autorin, der Fachliteratur, sowie Berichten / Artikeln unterschiedlichster Herkunft stammen. Die Seiten über Kaninchenkrankheiten sollen dem Halter einen Überblick über mögliche Erkrankungen, Symptome und Alarmzeichen verschaffen, um so seinen Blick zu schärfen. Ein Einblick über derzeitig allgemein übliche Behandlungen sowie Erfahrungsberichte Betroffener, sollen das Verständnis gegenüber bestimmten Krankheitserscheinungen wecken, damit er sich das nötige Grundwissen zur Suche des geeigneten Tierarztes erwerben kann. Die Tipps ersetzten selbstverständlich keine qualifizierte Tierarztbehandlung!
Die hier wiedergegebenen Informationen sind lediglich Tipps für die Haltung und Pflege des Kaninchens und ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden (z.B. bei Anwendungsfehlern bzw. Falschinterpretation) die aus der Anwendung dieser Informationen entstehen.
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