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Lieschen
In einer kalten Januarnacht 1989 fand ein Bekannter von mir vor seiner Garagentür ein zitterndes Fellbündel. Es stellte sich als Kaninchen heraus. Er nahm es mit in seine Wohnung und steckte es in einen provisorischen Käfig aus Kartons. Am nächsten Tag fragte er in der Nachbarschaft herum, ob jemandem ein Kaninchen entlaufen sei. Aber niemand vermisste eines. So behielt er das Kaninchen und nannte es Oskar. "Er" wurde sehr zutraulich und sie hatten ihre Freude an dem Tierchen. Ungefähr zwei Wochen später wurde "Oskar" sehr unruhig und rupfe sich Fell aus, mit dem "er" ein Nest baute und am nächsten Morgen lagen vier kleine Kaninchenbabys darin. Als ich sie zum ersten Mal sah, waren sie zwei Wochen alt und passten gerade auf eine Hand. Ich hatte vorher noch nie kleine Kaninchen gesehen und war vor Begeisterung hin und weg. (Das Bild zeigt Lieschen mit 2 Wochen. Zum Vergrößern anklicken!).
Der Bekannte fragte dann herum, ob jemand ein Kaninchen haben möchte. Selbst zu diesem Zeitpunkt kam es mir noch nicht in den Sinn, eines der Tierchen zu mir zu nehmen. Ich dachte immer, Kaninchen sind zwar süß, aber man könne ja doch nichts mit ihnen anfangen. Zu dieser Zeit war ich noch ein Katzenfan, mit denen ich aufgewachsen bin.
Ein Kollege von mir erklärte sich bereit, ein Kaninchen als Spielzeug (!!!) für seinen Sohn zu nehmen. Ich muss gestehen, dass ich damals noch nicht über diese Problematik nachgedacht habe. Mein Bekannter brachte mir, als die Kleinen 6 Wochen alt waren, ein Kaninchen, damit ich es weiter geben könne. Ich hatte eine Woche Urlaub und behielt das Tierchen erst mal bei mir. Ich wollte es dann später abgeben. Aber dann merkte ich, wie langsam aber sicher eine Wandlung mit mir passierte. Jeden Tag verliebte ich mich ein bisschen mehr in "Cäsar", wie ich das Kaninchen nannte, weil es angeblich ein Bub sein sollte. Als die Woche herum war, war es für mich unmöglich, "Cäsar" abzugeben, "er" war mir bereits ans Herz gewachsen.
Ich war so begeistert über das putzige kleine Kerlchen und ein Trennung kam nicht mehr in Frage. Ich ließ es schon bald in der Wohnung herumlaufen und nur noch nachts kam es in den Käfig. Dann kam der erste Tierarztbesuch, wegen Impfungen und dgl. Dabei stellte er fest, dass "Cäsar" ein Mädchen war und er meinte, jetzt müsse ich es Kleopatra nennen. Aber das mir war zu lang und ich nannte es Lieschen, auch deshalb, weil es so klein war. (Bild: Lieschen hat´s geschafft auf das Balkonfenster zu hüpfen!)
Sie war ein richtiger Feger. Am liebsten rannte sie durch die ganze Wohnung und hüpfte überall hoch und runter. Vom Sofa auf den Sessel und dann auf den Tisch, von dort auf den Schreibtisch, um meine schöne Marantapflanze nach und nach aufzufressen. Sie war zwar zahm und ließ sich anfassen und streicheln, aber sie war nicht sehr verschmust. Sie hatte auch eine gewisse Zurückhaltung an sich und ließ sich nicht hochnehmen. Sie kam niemals von alleine zu mir auf den Schoß, sondern ich musste mich zu ihr auf den Boden legen zum Streicheln. Aber das machte mir nicht aus, ich kannte es ja nicht anders. Aber trotzdem war sie immer in meine Nähe. Sie hielt sich meistens in dem selben Zimmer auf wie ich.
Besonders niedlich war sie, wenn sie im Frühjahr anfing, ein Nest zu bauen. Dann rupfte sie sich erst Fell aus und trug es in eine Ecke. Dann holte sie Heu und trug es auch dorthin. Ich legte dann Lappen auf den Boden und es war putzig zuzusehen, wie sie diese auch in ihre Nestecke schleppte. Einmal zerrte sie an einem kleinen Teppich und versuchte, auch diesen in ihre Ecke zu schleppen. Das Fell sammelte ich jedes Mal ein und habe deshalb ein wolliges Andenken.
Durch Lieschen bekam ich auch ein anderes Bewusstsein für die Tiere insgesamt. Es war wie eine Offenbarung. Ich wusste auf einmal, dass Tiere eine Seele haben und davon bin ich heute noch überzeugt.
Mit ungefähr 3 Jahren bekam Lieschen eine Darmstörung. Sie hatte nur noch Durchfall und ich ging 1 Jahr lang mit ihr von Tierarzt zu Tierarzt. Sie untersuchten den Kot und meinten alle, sie hätte Kokzidien. Sie bekam die schlimmsten Antibiotikakuren. Einmal hatte sie sehr schlimme Nebenwirkungen, sie lag nur noch da und zitterte. Ich konnte diese Quälereien nicht mehr mit ansehen und es war auch für mich eine große Belastung, diesem Tierchen, die ständigen Tierarztbesuche zuzumuten. Ich gab ihr keine Medikamente mehr und außerdem ging der Durchfall davon sowieso nicht weg. Auch ihre Afterregion entzündete sich und wurde ganz haarlos. Ich musste ihr in den 3 Jahre, die sie noch lebte jeden Tag den Bobbes waschen und eincremen. Aber das habe ich gerne getan, denn schließlich hatte ich sie genauso lieb wie ein Kind.
Als sie 6 ½ Jahre alt war, fing sie eines Tages an merkwürdig zu atmen, so als wenn sie keine Luft bekäme. Am nächsten Tag ging ich mit ihr zum Tierarzt, der eine Lungenentzündung feststellte und gab ihr Antibiotika und meinte, dass sie nach 3 Spritzen wieder in Ordnung wäre. Aber leider ist sie in der selben Nacht gestorben. Ihre Atembeschwerden wurden immer schlimmer und sie hatte einen schweren Todeskampf, weil sie regelrecht erstickt ist. Ich saß bei ihr und bin fast verrückt geworden. Ich streichelte sie und hoffte, dass die Nacht bald vorbei ist, damit ich mit ihr zum Arzt gehen könnte. Ungefähr um ein Uhr nachts stand sie plötzlich auf, versuchte sich auf den Beinen zu halten, dann fiel sie um, schrie zweimal ganz laut und starb. Mein Mann war in dieser Zeit verreist und ich habe sie allein im Garten begraben. Das alles war so schrecklich und ich wollte kein Tier mehr, um das nicht noch einmal zu erleben.
Jule
Aber 2 Wochen später schon, merkte ich, dass mir etwas fehlte. Ich entschied mich, mir wieder ein Kaninchen anzuschaffen. Ein Kollege kannte einen Bauer im Taunus, der Stallkaninchen hatte. Wir fuhren dorthin und gingen zu den Kaninchenställen. Was waren das für hübsche Tiere, eines schöner als das andere und alle dazu bestimmt, von Menschen gefressen zu werden. Ich fand das ganz furchtbar. (Ich muss dazu sagen, dass ich Vegetarier bin und die Vorstellung deshalb doppelt schlimm für mich ist.)
Die Tierchen drängelten sich alle ans Gitter, wahrscheinlich dachten sie, sie bekämen Futter. Und ganz hinten in einem der Ställe schaute von hinten ein Tierchen auf uns und versuchte, sich nach vorne zu drängeln. Das erste was mir auffiel, war sein schönes schwarzes Schnäuzchen. Ich bat den Bauer nachzuschauen, ob das ein Mädchen sei, denn ich wollte wieder ein Mädchen haben. Ich konnte fast nicht zuschauen, wie der das Tier rausgezerrt hat. Er schnappte es, drehte es auf den Rücken, zerrte ihr die Hinterfüße auseinander und grapschte an ihrem Geschlechtsteil herum. Ich meinte, ob er das nicht ein bisschen sanfter machen könne. Aber er antwortete mir, anders könne man mit den Tieren nicht umgehen. Was soll man dazu noch sagen. Für die Bauern sind das ja nur Nutztiere, die nur zum Fressen gezüchtet werden.
Es stellte sich heraus, dass das Kaninchen ein Mädchen war und ich nahm sie gleich auf den Arm. Das war Liebe auf den ersten Blick. Sie schaute ganz keck in die große weite Welt, die sie bis dahin noch nicht gesehen hatte. Sie war 2 Monate alt und lebte bis dahin nur in einem dunklen Stall. Als ich sie in den Transportkorb steckte, fing sie sofort an, die Decke zu bearbeiten. Sie buddelte darin herum, als ob sie eine Höhle bauen wollte.
Zu Hause steckte ich sie zuerst in den Käfig, damit sie sich an die neue Umgebung gewöhnt. Ich wollte sie ein paar Tage darin lassen, aber am nächsten Tag schon öffnete ich die Käfigtür, um sie herauszulassen. Ich werde nie vergessen, wie sie das erste Mal herauskam. Wir haben das mit der Kamera aufgenommen. Es dauerte ungefähr 20 Minuten und wir haben sie mit Salatblättern gelockt. Immer wieder schaute sie aus der Tür heraus, dann rannte sie erst wieder im Käfig herum und irgendwann begriff sie, dass da eine Öffnung war. Das war so herrlich, das alles zu beobachten. Es war ein Genuss mit anzusehen, als sie bemerkte, wie viel Platz sie jetzt hatte, um herumzurennen. Sie war nur am Rennen und Hakenschlagen. Man konnte ihr die Freude darüber richtig ansehen. Und dann erkundete sie den Rest der Wohnung.
Ich nannte sie Jule oder Julchen und sie wurde mein absoluter Liebling. Sie war eine schwarz-weiße Mischung und da sie für die Fleischproduktion gezüchtet war, recht groß. Sie wog, als sie ausgewachsen war, 5 kg. Sie war verschmust und ich konnte alles mit ihr anstellen. Sie kam zu mir ins Bett zum Schmusen und hat sogar ein paar Mal im Bett geschlafen. Sie hatte soviel Vertrauen, dass sie überhaupt keine Angst hatte. Ich legte sie auf den Rücken und trug sie so durch die Wohnung. Sie kletterte ständig auf mir herum, hüpfte auf meinen Schoß, besonders wenn ich einen bestimmten Bademantel anhatte. Den konnte sie nicht leiden. Dann kam sie auf meinen Schoß und fing an, an dem Bademantel rumzufetzen, bis ich ihn irgendwann wegwerfen musste. So ging es auch einigen Pullovern. Sie liebte Leder, besonders in Form von Schuhen und Taschen.
Einmal hatte sie einem Bekannten, der seine nagelneuen Schuhe ausgezogen hatte, ein Loch in einen Schuh gebissen. Und die Handtasche einer Freundin musste auch daran glauben. Das war natürlich für die Leute nicht schön und mir sehr peinlich. Ich musste dann jedes Mal meine Haftpflichtversicherung in Anspruch nehmen. Wir konnten keine Schuhe rumstehen lassen. Sie versuchte auch immer wieder, in meinem Bett eine Höhle zu buddeln. Das sah dann so aus, dass sie mir fast alle Bettlaken im Laufe der Zeit zerfetzte. Am Anfang versuchte ich, sie zu flicken oder kaufte neue. Das gab ich dann auf und schlief in zerfetzten Bettlaken. Damals durfte niemand in mein Bett schauen. Aber ich habe Jule alles verziehen.
Ich konnte mit ihr auch "Schubkarrenrennen" veranstalten. Das haben wir als Kinder gemacht, wenn man die Füße des anderen in die Hand nahm und der dann auf den Händen lief. Das konnte ich mit Jule auch machen. Das war köstlich. Als sie ungefähr 1 Jahr alt war, fing sie mit der Unart an, mich zu rammeln. Sie rannte erst brummend um mich herum, dann klammerte sie sich an mein Bein und fing an, sich wie ein Böckchen zu benehmen. Ich habe gelesen, dass sei ein Dominanzverhalten. Wahrscheinlich wollte sie mir damit zeigen, dass sie in der Rangfolge weit über mir steht.
Sie baute auch mehrmals im Jahr ein Nest. Dabei rupfte sie sich immer sehr viel Fell aus, das mir bis heute als Andenken geblieben ist.
Wenn ich Salat oder Gemüse putzte, kam sie auf den Stuhl oder Tisch gesprungen, um etwas zu stibitzen. Und mehr als einmal kam es vor, dass sie vor der Salatschüssel saß, wenn ich nicht aufpasste. Einmal saß sie sogar darin.
Julchen war immer gesund und wurde trotzdem leider nur 3 Jahre alt. Wahrscheinlich hatte sie ein schwaches Herz. Wir saßen eines abends beim Fernsehen und Jule lag an ihrer Lieblingsstelle und döste. Plötzlich sprang sie mit einem Schrei auf, fiel um, schrie noch einmal und dann war sie tot. Das war ein entsetzlicher Schock. Mein Mann massierte ihr noch den Bauch, weil sie noch zuckte und wir nicht glauben konnten, dass sie tot war. Ich habe sie dann auf den Arm genommen und sie kam mir vor wie eine kleine weiche Wolke. Seitdem meine ich, dass Kaninchen kleine Wolken werden, wenn sie sterben.
Mein Liebling.
Das war genauso schlimm, wie wenn man einen geliebten Menschen verliert. Ich war so fertig, dass ich mich 2 Wochen krank schreiben ließ.
Paula
Am 1. Oktober 1999 fuhren wir wieder zu dem Bauer im Taunus. Er hatte wieder viele Jungtiere, aber überwiegend Buben und ich wollte doch wieder ein Mädchen. Nachdem er ungefähr 10 Tiere untersucht hatte, wollte ich schon aufgeben und dachte, dann soll es halt nicht sein. Da holte er noch eines heraus und sagte, dass dies ein Mädchen sei.
Übrigens hielt mich dieser Bauer für völlig blöde, dass ich ein Kaninchen als Haustier halte und er hat immer so mitleidig gelächelt, als wenn ich verrückt wäre, wenn ich die Tiere auf den Arm nahm und mit ihnen zärtlich sprach. Und dass ich ein Kaninchen ins Tierheim gegeben hatte, war für ihn unbegreiflich. Seiner Meinung nach, hätte ich sie jemandem geben sollen, der sie als Braten verwendet hätte.
Ich nahm dann das Tierchen auf den Arm und sie war völlig verängstigt. Sie war 3 Monate alt, hatte bereits 20 cm lange Ohren und man konnte erkennen, dass sie einmal ein "kleiner Riese" wird. Der Bauer sagte noch, dass ich ihm das Kaninchen wieder zurückbringen könne, wenn ich es nicht mehr haben wolle!!
Ich steckte sie in den Transportkäfig und als wir zu Hause ankamen, hatte sie noch die gleiche Haltung. Sie hatte sich überhaupt nicht bewegt.
Zu Hause kam sie erst einmal in den Käfig, damit sie sich erst mal von der Aufregung erholt. Ich glaube, sie saß 2 Tage unbeweglich auf der gleichen Stelle. So kam es mir jedenfalls vor. Wenn ich sie anfassen wollte, knäulte sie sich zusammen und zitterte vor Angst. Ich dachte schon, oh je, das wird ein schwerer Fall. Ich ließ die Käfigtür auf, aber sie kam nicht heraus. Selbst die besten Leckerbissen konnten sie nicht locken. Ich behielt die Käfigtür dann immer offen, weil ich dachte, sie kommt sowieso nicht heraus. Am 3. Tag saß ich am Küchentisch und las etwas, als ich plötzlich spürte, wie mich etwas am Bein anstupste. Ich war völlig überrascht. Sie hatte es klammheimlich geschafft und ich hatte es nicht bemerkt. Als ich mich zu ihr beugte, rannte sie sofort wieder weg und hinein in den Käfig. Aber der Anfang war gemacht. Bis dahin hatte ich ihr noch keinen Namen gegeben. Ich nannte sie jetzt Paula und sie ist eine Riesenscheckenmischung.
In den nächsten Tagen wurde sie immer munterer und zutraulicher. Bald durfte ich sie streicheln und eines Tages hatte sie sich zum erstenmal gekugelt, was ja ein Zeichen von Wohlbehagen ist. Von da an ging es bergauf. Sie entwickelte sich zu einem ganz lieben verschmusten Kaninchen und ich habe sie ganz lieb.
Bald stellte sich heraus, dass sie ein total verfressenes Kerlchen ist. Ich habe dem auch nachgegeben und habe sie ständig mit allerlei Leckereien gefüttert: Haferkerne, Nüsse, Mandeln, Kekse und leider auch Schokolade. Brot und Bananen waren und sind für sie das Größte. Sie frisst wirklich fast alles, sogar Gewürzgurken. Einmal kam ich in die Küche , da saß sie auf dem Tisch vor meinem Teller Spaghetti mit Tomatensoße. Irgendwann hatte sie dann 9 kg. Ich fand sie eigentlich in dieser Zeit nicht zu dick, zumal sie ja ein großes Tier ist (wenn sie Männchen macht, kommt sie mit ihren Pfoten an die Tischkante). Aber dann fing das Problem mit ihren wunden Pfoten an und jeder riet mir, Paula auf Diät zu setzen, dann würden auch die Pfoten besser. Dann wurde ihr Speiseplan radikal geändert. Inzwischen hat sie 7,5 kg und das will ich auch beibehalten.
Paula ist ein absoluter Schmusebacke. Sie kommt zu mir ins Bett, dann kuschelt sie sich in meinen Arm, und leckt mir Gesicht und Hals ab, bis ich dann dran bin zum Streicheln. Wir liegen zusammen auf dem Sofa oder auf dem Boden und sie will immer dort sein, wo ihre Menschen sind. Sie ist nicht gerne alleine, außer nachts, da schläft sie im Wohnzimmer auf dem Sofa. Allerdings ist sie auch schon nachts zu mir ins Bett gesprungen und fing an, an mir herum zu lecken. Dann war an schlafen nicht mehr zu denken und ich musste sie in der Küche einsperren, weil sie sonst keine Ruhe gegeben hätte. Leider lässt sie sich nicht hochnehmen. Wenn ich das versuche, knurrt sie und haut ab.
Das Besondere an Paula ist, dass sie Laute von sich gibt. Manchmal, wenn ich zu ihr gehe, um mit ihr zu schmusen, gibt sie Laute von sich, die sich anhören, als ob sie über etwas jammert. Man könnte es so auslegen, als ob sie mir sagen möchte, dass ich lieb zu ihr sein soll.
Paula hat ganz süße Bewegungen an sich. Manchmal sitze ich einfach ganz still da und beobachte sie, wie sich putzt und sich vor Wohlbehagen rumkugelt. Da passiert es manchmal, dass sie auf dem Rücken liegen bleibt und alle Viere in die Luft streckt. Wenn sie schläft, dann fällt ihr Kopf herunter und sie fängt an wie wild zu zucken. Mit den Hinterpfoten zuckt sie, als wenn wegrennen will. Sie knirscht mit den Zähnen und brummt.
Die Unart zu rammeln hat sie auch an sich. Letztens kam sie zu mir ins Bett und turnte brummend auf mir herum, dann legte sie sich auf mein Gesicht und rammelte meinen Kopf!! Meine Kaninchen haben keinen Respekt vor mir.
Leider ist sie nicht so ganz sauber. Im Gegensatz zur Jule, die nur in ihre Klokiste gegangen ist, pinkelt und knöddelt Paula auch mal woanders hin, sogar in mein Bett. Ich muss tagsüber mein Bett mit einer Plastikplane abdecken, sonst hätte ich mir schon längst eine neue Bettausstattung kaufen müssen.
Sie ist ein (süßes) Dreckschwein. Wenn sie ihren Blindarmkot frisst, dann ist immer alles rundherum beschmiert, der Platz, ihre Pfoten und sogar ihr Schnäuzchen. Aus ihrer Klokiste buddelt sie die Einstreu heraus und ihr Heu verstreut sie auch überall. Dann sieht das Zimmer fast aus wie ein Kaninchenstall.
Sie geht auch schon mal die Nachbarn besuchen, wenn die Türen offen stehen. Aber da muss ich sie dann schnell rausscheuchen, weil die viele Kabel herumliegen haben. Denn das ist Paulas Leidenschaft: Kabel anfressen. Wir haben überall dort, wo sich Kabel befinden, alles mit alten Decken und Brettern abgedeckt, damit sie nicht daran kommt. Sie hat schon 3 Telefonkabel durchgebissen und mein Staubsaugerkabel hat auch etliche überklebte Stellen. Andere Kabel haben wir unter Decken versteckt und mit Bausteinen beschwert. Lampenkabel habe ich mit Mullbinden umwickelt.
Glücklicherweise mag sie kein Leder. Dafür aber Holz und sie hat leider auch schon Möbel angeknabbert.
Meine Bekannten können nicht verstehen, wieso ich das alles dulde und mir von einem Karnickel soviel gefallen lasse. Aber Liebe verzeiht doch alles. Oder???!
Paula ist jetzt 21 Monate alt und ich hoffe, dass ich sie noch lange habe.
Ja, Kaninchen sind meine große Liebe geworden.
Wenn Paula eines Tages nicht mehr lebt, werde ich mir aber kein Stallkaninchen mehr holen, weil ich diese Stallhaltung nicht sehen kann. Es ist furchtbar, wie diese Tiere in kleinen, dunklen Ställen zusammengepfercht leben. Oder andere leben ganz allein ohne jeden Kontakt. Meistens haben sie verdreckte Pfoten, weil die Ställe nicht regelmäßig gesäubert werden. Stallhaltung müsste eigentlich verboten werden. Meine Kaninchen lebten und leben alle frei in der Wohnung ohne Käfig. Dafür muss man natürlich einiges in Kauf nehmen, wie Dreck, Unordnung und Anknabbereien.
Das nächste Mal, das hoffentlich noch in weiter Ferne liegt, hole ich mir ein Kaninchen aus dem Tierheim.
Zum Schluss noch einen Vers, den ich vor Kurzem gelesen habe:
Das Tier hat Freude und Schmerz wie du.
Das Tier hat einen Hang zum Sterben wie du.
Das Tier hat ein Recht auf Leben wie du.
Lieben Dank an Monika! Ich wünsche dir auch noch eine lange, schöne Zeit mit deinem Liebling!
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