Ungebetene Gäste - Läuse, Flöhe, Haarlinge
Eher selten kommt es beim Kaninchen zu massiven Außenparasitenbefall. Oft bemerkt man den Befall
auch gar nicht, denn zwischen dem Wirt (Kaninchen) und den Parasiten hat sich ein Gleichgewicht
entwickelt. Stress, Infektionskrankheiten, Mangelernährung oder ein höheres Lebensalter
können zu einer temporären Abwehrschwäche führen und dadurch massiven Befall mit
entsprechenden klinischen Symptomen auslösen.
"Im Fell waren viele braune Punkte zu beobachten, die sich bewegten.
Sie waren winzig klein und braun. Wenn sie sich nicht bewegen hätten und nicht schon
seit Tagen im Fell klebten, hätte man sie glatt für Staubkörner halten können.
Diese putzigen Gäste entpuppten sich als Haarlinge."
|
Beim Kaninchen kommen folgende Außenparasiten vor:
- Haarlinge und Läuse
- Flöhe
- Milben: Raubmilbenräude, Fellmilbe (listrophorus), Ohrräude (Psoroptesmilbe)
- Myiasis: Fliegenlarvenbefall
Der häufigste Übertragungsweg ist wohl die Ansteckung durch ein anderes Tier. Begünstigt
wird die Ausbreitung der Parasiten durch schlechte, hygienische Bedingungen. Aber es kommt auch schon
mal vor, dass sich die kleinen Übeltäter im Heu versteckt halten. Wir hatten schon zweimal
Zecken im Heu, die sich an unsere noch mager befellten Jungtiere geheftet hatten. Flöhe können
durchaus auch von anderen Haustieren wie Katzen oder Hunde eingeschleppt werden, Kaninchenläuse dagegen
sind wirtsspezifisch und gehen auch nicht auf Menschen über.
Haarlinge, Läuse und Flöhe sind groß genug, um sie mit bloßen Auge oder mit Hilfe einer
Lupe zu erkennen. Lediglich durch die Größe ihres Kopfes lassen sich Haarlinge und
Läuse im Aussehen
unterscheiden. Haarlinge haben einen breiten Kopf, Läuse einen schmalen. Läuse haben einen
gegliederten Körperbau mit drei Beinpaaren. Sie lassen sich mit der Lupe im Haarkleid an der Haarbasis
gut erkennen. Kaninchenläuse beunruhigen die Tiere sehr stark.
Die relativ harmlosen
Haarlinge leben von den Schuppen sowie von Entzündungssekreten des Wirtskaninchens, während
die Läuse echte Blutsauger sind.
Flöhe sind ebenfalls Blutsauger und sie verursachen nicht nur beim Saugakt einen starken Juckreiz.
Massiver Befall führt zu Blutarmut und deutlicher Schwächung des Tieres. Jedoch werden
Flöhe eher selten bei Kaninchen beobachtet. Starker Befall kann bei saugenden Jungen und bei
Jungtieren u. U. zum Tode führen. Zudem trägt der Kaninchenfloh eine besondere Bedeutung
bei der Übertragung der Myxomatose.
Auch Flöhe können am Tier nachgewiesen werden. Die langen Sprungbeine der Flöhe sind mit bloßen Auge zu erkennen,
wenn sie ins Wasser getaucht werden.
Klinische Symptome
Struppiges Haarkleid, die Tiere leiden unter einem unerträglichen Juckreiz bei starkem Befall (vor
allem bei Läusen). Der Juckreiz kann so stark sein, dass die Tiere sogar ohnmächtig werden
können oder epilepsieähnliche Krampfanfälle erleiden. Die Tiere magern ab. Vor allem
bei starkem Laus- oder Flohbefall können die Kaninchen anämisch (Blutarmut) werden, da
die Parasiten Blutsauger sind. Durch Kratzen und Benagen der juckenden Hautstellen können eitrige
Hautentzündungen entstehen.
Behandlung
Der Tierarzt wird Ihnen ein Ektoparasitenmittel (Insektizid) mitgeben, in der sie die Tiere baden müssen.
Achten Sie genau auf die Gebrauchs- und Dosierungsanleitung, damit es nicht zu Vergiftungen oder
Schädigungen der Tiere kommt! - Lieber noch einmal beim Tierarzt nachfragen.
Die Behandlung wird in Abstand von jeweils einer Woche mehrmals wiederholt. Gleichzeitig zum Baden,
muss der Kaninchenkäfig vollständig ausgeräumt, gereinigt und desinfiziert werden.
Achten Sie darauf: nicht alle Desinfektionsmittel sind für Nager geeignet; das Tier darf während
der Behandlung nicht im Käfig sitzen und sollte auch frühestens eine halbe Stunde nach der
Desinfektion in den Käufig zurückgelassen werden. Für eine gute Belüftung des Raumes
während der Behandlung sorgen, das Desinfektionsmittel ruft u. U. Reizungen hervor.
Gründlich auch die Gitterstangen reinigen und alle Gegenstände mit denen das Tier in
Berührung kam.
Unterstützende Maßnahmen
Falls bereits Hautreizungen bis hin zu Entzündungen vorliegen, wird der Tierarzt meist eine
antibiotische Salbe verschreiben. Ich halte für Hautreizungen eine sanfte Kamillensalbe auf Vorrat,
die es zeitweise bei einem berühmten Billigdiscountladen gibt.
Salben verkleben natürlich das Kaninchenfell, werden deshalb mit Sicherheit abgeleckt oder
müssen anschließend nach Dauer der Behandlung mit mildem Shampoo aus dem Fell gespült
werden. Darum würde ich die Salbe nur in schweren Fällen (mit Ausnahme einer notwendigen Antibiotikasalbe) einsetzen.
Sie muss absolut verträglich sein. Alternativ kann auch erkalteter Kamillentee aufgetupft werden, vielleicht leicht
gekühlt. Gegen den Juckreiz kann auch Babypuder aufgetupft werden.
Homoöpathisch kann eine Gabe von Engystol zum Trinkwasser (jeden zweiten Tag), die Abwehrkräfte
stärken. Ich benutze Engystol-N-Ampullen, habe aber gelesen, dass es das auch als Tablette geben soll.
Homöopathische Mittel nutzen meist Traubenzucker als Träger, lassen sich also leicht zerdrücken.
Bitte fragen Sie Ihren Tierarzt!
Die hier empfohlenen Ratschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit,
Richtigkeit und Anwendbarkeit, da sie in Summe nur aus den Erfahrungswerten der Autorin,
der Fachliteratur, sowie Berichten / Artikeln unterschiedlichster Herkunft stammen. Die
Seiten über Kaninchenkrankheiten sollen dem Halter einen Überblick über
mögliche Erkrankungen, Symptome und Alarmzeichen verschaffen, um so seinen Blick
zu schärfen. Ein Einblick über derzeitig allgemein übliche Behandlungen
sowie Erfahrungsberichte Betroffener, sollen das Verständnis gegenüber bestimmten
Krankheitserscheinungen wecken und damit er sich das nötige Grundwissen zur Suche des geeigneten
Tierarztes aufbauen kann.
Die Tipps ersetzten selbstverständlich
keine qualifizierte Tierarztbehandlung!
Die hier wiedergegebenen Informationen sind lediglich Tipps für die Haltung und Pflege des
Kaninchens und ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden
(z.B. bei Anwendungsfehlern bzw. Falschinterpretation) die aus der Anwendung dieser
Informationen entstehen. |