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Rambolinchen - Herbst 2000
Siehe auch:
Schiefhals
E. cuniculi
Chouchous Schiefhals
Surftipps:
Senta - Projekt

Der letzte Weg

Abschied nehmen von einem geliebten Freund

Ein persönlicher Rückblick
Einschläfern - ja oder nein?
Der Moment des Abschied nehmens
Trauerarbeit

Vor einigen Monaten musste ich einen der schwersten Entscheidungen in meinem Leben als "Kaninchenmami" treffen. Ich ließ mein Baby einschläfern, meine Freundin, meine bewunderswerte Kämpferin, die meinen vollsten Respekt verdiente. Und gerade deswegen, weil ich mein Rambolinchen respektierte, musste ich auch ihre Entscheidung respektieren und ihr den Weg frei machen.

Ein Rückblick

Rambolinchen war sehr krank. Seit zwei Jahren litt sie an den Folgen des ansteckenden Schnupfens. Mit ihr waren ihre Mutter, der Bruder und ihre Schwester von der Krankheit betroffen und nach und nach innerhalb von zwei Jahren verstorben. Rambolinchen, die zeitlebens die Nummer zwei hinter ihrer Mutter gewesen war, und immer nach Höheren strebte, hatte alle überlebt. Jetzt war sie allein und lebte mit uns in der Wohnung, weil meine gesunden Freilandkaninchen sie niemals mehr in ihrer Mitte akzeptiert hätten. Außerdem wäre sie draußen vollends der Witterung ausgesetzt gewesen. Wer den ansteckenden Schnupfen kennt, weiß, wie sehr das Wetter die Krankheit negativ beeinflusst.

Obwohl sie ein wirklicher Zwerg war, kaum größer als eine Hand, überzeugte sie mit unbändiger Energie. Während einer Schiefhalserkrankung, erstaunte sie uns alle, als sie begann trotz verdrehtem Hals einen Rangkampf mit ihrer Schwester anzuzetteln und ... dabei zu siegen. Bleibt zu erwähnen, dass ihr dieser Umstand soviel Auftrieb bescherte, dass sie den Schiefhals in den Griff bekam, bis er kaum noch sichtbar war. Obwohl eine Koordinationsstörung verblieb, übte sie tagtäglich den Bewegungsablauf, der ihr Probleme bereitete (auf eine Erhöhung springen, um die Ecke hoppeln), bis es keine Probleme mehr gab.

Der Tod ihrer Schwester war für mein Mädchen ein Schock. Es war Ostern letztes Jahr. Meine beiden Mädels hoppelten im Zimmer herum. Rocky litt unter einer chronischen Augenentzündung und fühlte sich schwach. Sie muss in den offenen Käfig gesprungen sein und als sie hinaus sprang, besaß sie nicht genug Kraft und blieb am Bauch hängen. Am Schock ist sie gestorben. Rambolinchen saß daneben und konnte nichts tun. Es war klar, dass es nun auch mit unserem Rambolinchen abwärts gehen würde. Sie hatte niemanden mehr, den sie triezen konnte.

Doch sie gab nicht auf. Sie wollte nur nicht allein sein und so lief sie uns immer ins Schlafzimmer hinterher. Dort hockte sie den ganzen Abend unter dem Bett und lauschte mit uns dem Fernseher. Ab und an, kam sie mal heraus gehoppelt um sich im Spiegel zu betrachten. Klar wusste sie, dass da kein anderer Hase war! Aber sie war ja schließlich ne echte Schönheit! - Wenn dann das Licht ausging - wir hatten es schon längst aufgegeben Rambolinchen zurück in ihr Reich zu schicken - wurde mein Mädel so richtig lebendig. Wir knipsten das Licht aus und Rambolinchen an! - Mein Mädel peste durch das Zimmer, hoppelte jede Nacht mindestens 5 Mal rund um unsere Betten, durch ihre Betthöhlen und kam dann schließlich an ihrem Lieblingsplätzchen im Bettkasten zur Ruhe.

Es war eigentlich eine schöne Zeit. Wir haben sehr viel gekuschelt. Allerdings musste ich mir ständig die Hände waschen und alles immer wieder desinfizieren. Die Pasteurellen können nämlich unter ungünstigen Umständen auf Menschen übertragen werden. Und da schläft mein Mäuschen unter dem Bett! - Aber man konnte sie einfach nicht wegschicken! - Sie wäre vor Kummer gestorben, so ganz allein.

Im Winter wurde es schlimmer. Mein Rambolinchen bekam wieder heftigste Koordinationsstörungen, die alte Schiefhalserkrankung meldete sich zurück. Sie war plötzlich inkontinent und der Urin tröpfelte ständig zwischen ihren Beinchen heraus. Mein Freund hat versucht ihr eine Windel anzulegen, damit ihre gereizte Haut heilen konnte. Pustekuchen! - So krank war sie nun auch wieder nicht, um sich so etwas gefallen zu lassen! - Dann kamen die Schmerzen. Mein Rambolinchen knirrschte jetzt mit den Zähnen. Sie hoppelte nachts nicht mehr so häufig, am Ende gar nicht mehr. Sie schleppte sich nur noch zum Essen. Vor Weihnachten war klar, dass wir ihr nicht mehr würden helfen können. Alles was wir tun würden, würde nicht ihre Krankheit verbessern, sondern nur ihr Sterben verlängern und das wollten wir ihr nicht antun.

Weihnachten verbrachte mein Liebling auf ihrem Wärmekissen, für das ich mich verflucht habe, es ihr nicht schon eher gekauft zu haben. Ihr Stoffwechsel war nämlich schon herunter gefahren und sie fror sehr oft. Für ihr Lieblingsessen: Rosinen mit Erdnüssen garniert mit Grünzeugs hatte sie aber immer noch Sinn. Sie futterte auch dieses Bisquitgebäck wie verrückt. Trotzdem war sie sehr schlank, geradezu ausgezehrt geworden. Um Weihnachten herum wurde ihr Anblick für mich unerträglich. Sie fiel ständig um. Sie konnte nicht hoppeln, ohne umzufallen. Die ganze Gegend war an den spitzen Ecken weich ausgepolstert worden. Wir hörten sie manchmal nachts den Fressnapf suchen und über ihn fallen. Es war schrecklich. Nach den Ferien riefen wir die Tierärztin an, wir wollten kommen. Wir wollten helfen, unserem Mädchen einen würdigen, friedlichen Tod zu ermöglichen.

Anklicken zum Vergrößern Wir ließen sie Abschied nehmen von Fritz, der draußen mit seinen beiden jungen Weibchen lebte. Er war der einzige Überlebende des Kaninchenschnupfens. Sein Immunsystem hatte die Krankheit ohne unser Zutun besiegt. Er war glücklich mit seinen zwei Damen. Rambolinchen wollte nicht mehr im Garten hoppeln. Früher wäre sie los gesaust und hätte die Gegend unsicher gemacht. Jetzt hockte sie nur da, wo wir sie hin gesetzt hatten und fror. Es war ja auch erbärmlich kalt. Allerdings ließ sie sich nicht auf den Arm nehmen. Das wollte sie nicht. Wir mussten sie in die Box setzten.

Vor lauter Tränen, hätte ich die Straße nicht gesehen. Ich war froh, nicht allein zu sein. Es wäre für mich auch nie in Frage gekommen mein Baby diesen Weg allein gehen zu lassen. Unsere Tierärztin kannte uns sehr gut. Normalerweise würde sie ein Tier nicht auf Geheiß eines Tierbesitzers einschläfern lassen, aber sie kannte uns und unsere Geschichte und glaubte uns, dass es für mein Baby keine Hoffnung mehr gab. Darin unterscheidet sich meine Tierärztin wohltuend von anderen Tierärzten, die allzu früh die Hoffnung aufgeben. Ein Tier einschläfern zu lassen ist ja billiger, als eine langwierige Behandlung, und Jungkaninchen kosten schließlich nur ein Appel und ein Ei. Doch diese Tier war unsere Freundin, unsere Lebensgefährtin, und wir hatten von ihr ne Menge über das Leben gelernt. Und darüber, dass sich das Kämpfen lohnt, das Niemals - Aufgeben, aber das man auch wissen muss, wann es vorbei ist. Es war vorbei.

Unsere Tierärztin gab meinem Liebling ein Narkosemittel, dass sie ganz langsam in den Schlaf versetzte. Der Stoffwechsel funktionierte verlangsamt, was auf ihren kritischen Zustand hindeutete. Allein die Narkose hätte mein Baby schon umbringen können. Aber Einschläfern bedeutet ja nicht von der Narkose umgebracht zu werden. Letztlich handelt es sich um eine Injektion direkt ins Herzen, die dazu führt, dass der Herzschlag schlagartig stoppt. Als diese Injektion gesetzt wurde, war man Baby bereits friedlich eingeschlafen und tot. Sie hatte sich entspannt. Zum ersten Mal vielleicht seit vielen Wochen, war sie wieder vollkommen entspannt. Ich habe geheult. Nicht aus Trauer diesmal, sondern aus Freude, weil mein Mädchen nun endlich ihren Frieden gefunden hatte. - Wir haben sie unter ihrem Lieblingsplatz, dem Lavendelbusch begraben. Und manchmal liegt Fritz auf ihrem Grab und döst ganz entspannt, so wie sie es immer getan hat. Ich werde mein Kind niemals vergessen.

Einschläfern

Dieser Schritt ist für einen Tierfreund nicht leicht. Doch leidet ein Kaninchen an einer unheilbaren Krankheit, die ihm schreckliche Schmerzen beschert und es eigentlich keine Frage mehr ist, ob das Tier sterben wird, nur noch wann, dann ist das Einschläfern der letzte Freundschaftsdienst, den man seinen geliebten Haustier leisten kann. Ich habe mir immer vor Augen geführt, dass mein Rambolinchen in freier Natur keinen Tag lang hätte leiden müssen. Die Natur tötet schneller, als wir Menschen mit unserem Medizinglaube es zulassen. Ziel jeder Behandlung sollte immer sein, das Leben zu verlängern, nicht das Sterben. Das ist schon schwer genug. Und es ist insofern noch nicht mal unser Recht, dem Freund den Weg zu erleichtern, es ist sogar unsere Pflicht, die uns das Tierschutzgesetz auferlegt: kein Tier sollte unerträgliche Schmerzen leiden.

Leider wird manchmal auch Missbrauch mit dieser Möglichkeit getrieben. Menschen bringen ihre kränkelnden Kaninchen zum Tierarzt, um sie einschläfern zu lassen, damit sie sich nicht um die Tiere kümmern müssen, die ihnen durch die Krankheit vielleicht lästig geworden sind. Inkompetente Tierärzte haben keine Lust sich mit diversen Wehwehchen herumzuplagen, sind vielleicht auch gar nicht in der Lage eine Krankheit fachgerecht zu behandeln.
Es hoppeln viele Kaninchen durch Wohnzimmer, die z. B. wegen eines Abszesses vom Tierarzt tot gesagt wurden und nur durch das Engagement der Besitzer gerettet wurden.
Auch eine Behinderung ist kein Grund ein Tier einzuschläfern. Viele Tiere kommen z. B. mit einer Lähmung oder Blindheit sehr gut zurecht.

Im Grunde sind nicht wir Menschen, die entscheiden sollten, ob ein Tier eingeschläfert werden soll oder nicht. Es ist das Tier selbst. Der Verlust an Lebensmut und Lebenskraft, der uns sagt, dass es nicht mehr mag.

Der Moment des Abschied nehmens

Ich kann es nur empfehlen, dabei zu sein. Wenn Kinder mit von der Entscheidung betroffen sind, so sollten auch diese mit dabei sein dürfen, wenn sie möchten. Es ist so wichtig Abschied zu nehmen und sich zu vergewissern, dass es die richtige Entscheidung war. Dem Tier wird ein sehr starkes Narkose oder Schlafmittel verabreicht, dass oft schon ausreichend wäre, das Tier sanft entschlummern zu lassen. Erst, wenn dieses Präparat wirkt, wird die Giftspritze direkt ins Herz gesetzt. Ich habe diesen Moment als sehr schön und erleichternd in Erinnerung. Mein Liebling hat keine Schmerzen mehr und schläft friedlich ...

Aber Achtung!
Der Bericht von Senta hat mich wieder auf den Boden der Tatsachen geführt, dass nicht alle Tierärzte ein sonderlich sensibles Verhältnis zu Tieren haben und eine harte, unmenschliche Form des Tötens einschlagen. Sie injizieren direkt die Spritze mit dem Gift ins Herz, ohne das Tier vorher narkotisiert zu haben. Das Herz bleibt sofort stehen, aber das Tier lebt noch, bekommt Panik, Angst, das ganze Sterben bei vollem Bewusstsein mit. Es dauert, bis das Bewusstsein verloren geht. Diese Praxis des Einschläferns ist Metzgertum! - Tierärzte, die diese Methode anwenden sind vielleicht zu faul Buch über die Narkosemittel zu führen, die sie verabreichen (denn dazu sind sie verpflichtet). Darum bitte informieren Sie sich vorher bei dem Tierarzt, wie das Einschläfern abläuft. Und falls er ohne Narkose arbeitet, suchen Sie sich einen anderen Arzt. Ein für alle Mal. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit dieses Vorgehen sogar gegen das Tierschutzgesetz verstößt. -> Bitte unterstützen Sie das Senta - Projekt, das gegen derart agierende Tierärzte vorgehen will.
Senta - Projekt

Trauerarbeit

Für mich sind meine Tiere immer noch lebendig. Sie leben in mir und auf diesen Seiten weiter, denn sie sind das Kaninchenweb!
Jeder Tierbesitzer sollte sich an die schönen Seiten erinnern. Aber ein wenig sollte er auch wie ein Kaninchen denken und im Jetzt leben. Es ist kein Verrat am Freund, wenn man schon bald daran denkt einem neuen Kaninchen ein Heim fürs Leben zu schenken. Jedes Tier hat ein Recht auf ein schönes Leben, und Sie können es ihm ermöglichen. Niemals sollte man jedoch nach einem Ersatz für den Verstorbenen suchen. Ich habe mir immer Kaninchen geholt, die auf den ersten Blick völlig anders aussahen. Sie alle haben mein Leben bereichert. Keines war je wie das Andere. Es gibt keinen Ersatz. Es gibt nur ein weiteres Zimmer in unseren Herzen, das nie mehr leer sein wird und voller schöner Erinnerungen an eine tolle Zeit.

Ich habe meine Kaninchen nach dem Verlust eines Mitgliedes ihrer Kaninchentruppe immer sehr gefasst erlebt. Die Gruppe gab ihrem Schmerz Halt. Aber man sollte sich nicht täuschen. Der Tod eines Partners, kann auch Kaninchen stark aus der Bahn werfen. Deshalb sollten die Kaninchen wenn möglich immer Abschied vom toten Partner nehmen können. Durch das Beschnuppern des Toten begreifen sie den Verlust. Andererseits werden sie vielleicht annehmen wir "bösen" Menschen hätten ihn ihnen einfach entrissen. Sicher ist dies nicht die Regel, aber ich habe ein Kaninchenweibchen von einer Tierschützerin übernommen, die mir erzählte, dass das Kerlchen aus Trauer um ihre Mutter, die leider eingeschläfert werden musste, das Essen und Trinken eingestellt hat. Und wäre da nicht Chucky gewesen, damals gerade 4 Wochen alt und Waise, die sie in ihren Käfig setzte, um sie aufzumuntern, dann wäre meine Foxy schon lange tot. Foxy hatte übrigens schon vorher Angst und Misstrauen Menschen gegenüber, weil sie als Junges wohl schlechte Erfahrungen gemacht hat. Chucky und Foxy sind ein Herz und eine Seele. Foxy ist der Kopf der Bande und Chucky die Faust.

Andere Kaninchenbesitzer haben mir geschrieben, dass ihr Tier vor Trauer gestorben wäre. Obwohl das Weibchen Teil einer Gruppe war, konnte sie den Verlust ihres geliebten Rammlers nicht verkraften. Sie durfte sogar von dem Toten Abschied nehmen. Er wurde an seinem Lieblingsplatz begraben. Das Weibchen stellte das Futtern ein und legte sich über das Grab, wo sie dann nach einigen Tagen aus Kummer verstarb. Die Beiden hatten eine lange Zeit miteinander verbracht und sehr viel füreinander empfunden. Ja, es gibt solche besonderen Bindungen.

Im Moment verfolge ich eine andere Trauergeschichte. Zwei Kaninchen waren aus ihrem Freigehege ausgebüchst. Als man sie wieder einfing, war eines verletzt und humpelte. Der Tierarzt diagnostizierte eine Prellung. Wenige Stunden später verstarb das Tier jedoch im Arm seiner Besitzerin, vermutlich an inneren Verletzungen. Seine Freundin hat jetzt ebenfalls das Fressen eingestellt und benimmt sich apathisch. Ich habe den Rat gegeben, schnellstmöglich eine neue Freundin aus dem Tierheim zu holen, um das Tier auf andere Gedanken zu bringen. Bei meinem Foxy hat es geholfen. Ich hoffe, das auch dieses Tier wieder zurück ins Leben findet.




Die hier empfohlenen Ratschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Anwendbarkeit, da sie in Summe nur aus den Erfahrungswerten der Autorin, der Fachliteratur, sowie Berichten / Artikeln unterschiedlichster Herkunft stammen. Die Seiten über Kaninchenkrankheiten sollen dem Halter einen Überblick über mögliche Erkrankungen, Symptome und Alarmzeichen verschaffen, um so seinen Blick zu schärfen. Ein Einblick über derzeitig allgemein übliche Behandlungen sowie Erfahrungsberichte Betroffener, sollen das Verständnis gegenüber bestimmten Krankheitserscheinungen wecken, damit er sich das nötige Grundwissen zur Suche des geeigneten Tierarztes erwerben kann. Die Tipps ersetzten selbstverständlich keine qualifizierte Tierarztbehandlung!
Die hier wiedergegebenen Informationen sind lediglich Tipps für die Haltung und Pflege des Kaninchens und ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden (z.B. bei Anwendungsfehlern bzw. Falschinterpretation) die aus der Anwendung dieser Informationen entstehen.
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