Ein Stückchen Wildnis im Garten
Ein Beitrag zum Tier- und Naturschutz, den jeder leisten kann!
von Verena Stiess
Anders als Hunde sind Kaninchen von Natur aus ängstliche, scheue Tiere, die eine enge Verbundenheit zu Menschen grundsätzlich nicht suchen. Man bedenke, dass wir Menschen die Kaninchen von je her jagen, erschießen und fressen oder einsperren, mästen und fressen. Kein Wunder also, dass Kaninchen zunächst mal sehr skeptisch ihren Haltern gegenüber treten. Wir müssen also das Vertrauen dieser Tiere erst mal wieder erlangen.
Hochheben, Festhalten, Rein- und Rauszerren zum Einsperren in einen kleinen Käfig ist nicht gerade Vertrauen erweckend für Kaninchen. Hinter Kaninchen herzulaufen wirkt ebenfalls kontraproduktiv; die Tiere flüchten dann um so mehr vor dem Mensch. Kaninchen wollen auch nicht „wie ein Baby“ gekuschelt, zwangsliebkost oder herumgereicht werden. Kaninchen wollen mit ihrem Besitzer auch nicht verreisen oder an der Leine in einer gar anderen Umgebung spazieren gehen, denn es sind reviergebundene Zeitgenossen. In einer fremden Umgebung fühlen sich die Kaninchen nur unsicher und gefährdet. Die Kaninchen nehmen in solchen Situationen eine gekauerte, regungslose Körperhaltung ein. An dieser Körperhaltung können Sie sein Unbehagen ablesen. Kaninchen lassen sich nicht gerne dressieren (wie z.B. manche Hunde) und wollen nicht auf Kommando über Hürden springen.
© Verena Stiess
Kaninchen als Haustiere erfreuen sich trotz alledem ungebremster Beliebtheit! Die possierlichen Tierchen scheinen für die reine Innenhaltung ideal zu sein. Die Tiere bellen nicht, müssen nicht Gassi gehen, sitzen ohne lautes Wehklagen stunden- und tagelang auf ihren Fäkalien in einen kleinen Käfig bei Wasser und Trockenfutter. Außerdem muss für die Haltung dieser Tiere nicht die Zustimmung des Vermieters eingeholt werden. Die meisten Leute gehen davon aus, dass die ruhigen Kleintiere die Nachbarschaft nicht stören können, was vielerorts ein Irrtum ist. Deftige Misthaufengerüche wegen unsauberer Ställe und nächtliches Scharren in einer Ecke des Käfig oder auf dem Balkon als verzweifelte Fluchtversuche oder Nestbauaktivitäten haben schon zu manchem Nachbarschaftsstreit geführt. Bei reiner Wohnungshaltung in einem handelsüblichen kleinen Gehege wird i.d.R. ein Teufelskreis in Gang gesetzt.
Im Gegensatz zu Strafgefangenen in einem Gefängnis, können sich Kaninchen nicht mit Fernsehen, Lesen, Fitnesstraining, Weiterbildung oder Arbeit beschäftigen. Frust, Langeweile, Verbitterung und Unmut über das unerfüllte Leben macht sich breit und führen zu Aggression und Resignation. Kaninchen sind zwar angenehm stille Leider. Da gibt es kein Winzeln und kein Heulen. Die leidenden Kaninchen pflegen sich selbst irgendwann nicht mehr und verkoten. Das eintretende gestörte, gar neurotische Verhalten der Kaninchen mit apathischem Rückzug als Folge psychischen Leids wird oftmals falsch gedeutet oder erst gar nicht bemerkt. Letztendlich wird das Kaninchen im Tierheim „entsorgt“ oder verschenkt, weil es bissig wurde, permanent im Käfig alles umwühlt und auf einer Stelle scharrt oder bei seinem vorübergehenden „Freigang“ die Wohnungseinrichtung demoliert hat. Manchmal wird auch in guter Absicht versucht, die Lebensbedingungen der Kaninchen durch mehr Freiraum und einen größeren Käfig zu verbessern. Das ist jedoch in den allermeisten Fällen nur eine vorübergehende Lösung, denn auch ein 10 qm großes Holzregal-Latten-Maschendrahtinnengehege befriedigt die eigentlichen Bedürfnisse eines Kaninchens nicht, denn in den Innenräumen wird auf Hygiene und Sauberkeit geachtet. Ins Büro oder Wohnzimmer können nun mal nicht bergeweise Buche-, Tannen-, Haselnusszweige und Baumrinden zum Nagen gelegt werden. Auch wachsen im Wohnzimmer keine Schafgerben oder andere wohlschmeckende Kräuter. Die sterile Atmosphäre menschlicher Behausungen, wenn auch noch so liebevoll und materialintensiv gestaltet, ist für die Nager über Kurz oder Lang unbefriedigend.
Wer Kaninchen liebt, muss erkennen, dass diese Tiere in ein naturbelassenes Außengehege gehören.

© Verena Stiess
Kaninchen wollen im satten, hohen Gras weite Sprünge machen und flugs unter einen Busch oder in eine andere Versteckmöglichkeit flüchten, wenn sie ein ungewöhnliches Geräusch hören. Frei laufende Kaninchen üben das „Hakenschlagen“ und hopfen verzückt in die Luft, wenn sie sich wohl fühlen. Sie schnuppern die verschiedenen Düfte und entdecken die frisch gesprossenen Walderdbeerblättchen am Rande der Wildkräuterwiese. In einem ausreichend großen, abwechslungsreichen, (sicher eingezäunten) Stückchen Natur kommt nicht so schnell Langeweile oder Frust auf. Im Gegenteil. Da gibt es immer etwas zu entdecken. Der Wind bringt Düfte herbei, die Sonne und Wolken lassen die Schatten tanzen. Das echte Frischfutter muss selbst gesucht werden. Abends und auch früh am Morgen werden Kaninchen richtig aktiv (Luftsprünge, Hakenschlagen, Sprinten) und wollen verhältnismäßig viel fressen. Wenn die Kaninchen dann bei Dämmerung ins Haus bzw. in den Stall gehen sind sie wie kleine Kinder schon ziemlich müde und geben Ruhe, wie das auch bei Menschenkindern ist, wenn diese sich tagsüber körperlich so richtig austoben durften.
Werden die Kaninchen hingegen nur in einem Zimmer bzw. in der Wohnung gehalten, so sind die Halterinnen gefordert, Unmengen an Frischfutter, Heu und Nagematerial in die Wohnung zu schaffen, damit die Tiere beschäftigt sind und ihre kontinuierlich nachwachsenden Schneidezähne abnutzen. Andernfalls werden die Sockelleisten und alle möglichen anderen Einrichtungsgegenstände benagt.
Hochwertiges Heu und frisches Wasser muss rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Kaninchen sind sog. Dauerfresser und Dauerausscheider. Eine kleine Kaninchengruppe produziert deswegen über den Tag und die Nacht verteilt Hunderte von Kotbällchen und eine Menge Urin. Im großzügigen, freien Gelände ist das kein Problem. Im Gegenteil: Die große Wiese freut sich über die Düngung einer kleinen Hoppelgruppe.
Bei reiner Innenhaltung ist der ständig anfallende Mist aber ein ernstes Problem in der Stadtwohnung. Da Kaninchen, insb. in einer größeren Gruppe, meist nicht absolut stubenrein werden, verteilen sich diese Kotkügelchen beim Freilauf überall in der Wohnung. Leute, die Kaninchen in der Wohnung halten, sollten also gerne an versteckten Stellen Köttelsuchen spielen und putzen wollen. Staubsauger, Wischmopp, Kehrschaufel und die Biotonne bzw. der Komposthaufen beim 15 km entfernten Bauern werden die besten Freunde. Der tägliche Arbeitsaufwand für das Sauberhalten des Geheges, die Frischfutterbeschaffung, die Trinkwasserversorgung und die Beschäftigungsförderung der gelangweilten Stubenhocker wird bei reiner Innenhaltung oft unterschätzt. Die meisten Halterinnen sind über kurz oder lang total überlastet und mit den Nerven fertig. Nur mit viel Idealismus kann ein Mensch das durchhalten.

Mittagsruh © Verena Stiess
Kaninchen brauchen Sommer wie Winter einen ruhigen, nicht zu heißen / nicht zu kalten, geschützten Ort, wo sie sich jederzeit auch allein zurückziehen können. Denn auch bei Kaninchen gibt es Stress, wenn sie zu dicht aufeinander leben müssen. Das ist bei Menschen nicht anders.

© Verena Stiess
Gleichermaßen wichtig sind jedoch die Sozialkontakte zu Artgenossen. Kaninchen sollten nicht als Einzeltier oder getrennt gehalten werden. Sie brauchen Anschluss an eine kleine Gruppe, um sich richtig sicher und geborgen zu fühlen.
Leider sind viele Lebensräume Deutschlands für die Außenhaltung von Kaninchen ungeeignet. Wo die Natur schon so zerstört ist, muss erst einmal investiert werden, um die Lebensqualität für die Tiere und die Menschen zu verbessern. Derweil ist es dort wohl nicht ratsam, sich gerade Kaninchen als Haustiere neu anzuschaffen, sondern zunächst einmal Bäume zu pflanzen und alte Betonblöcke abzureißen.
Weitere Tipps zur Freilaufhaltung von Kaninchen erhalten Sie <hier>
Verena Stiess
Die hier empfohlenen Ratschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit,
Richtigkeit und Anwendbarkeit, da sie in Summe nur aus den Erfahrungswerten der Autorin,
der Fachliteratur, sowie Berichten / Artikeln unterschiedlichster Herkunft stammen. Die
Seiten über Kaninchenkrankheiten sollen dem Halter einen Überblick über
mögliche Erkrankungen, Symptome und Alarmzeichen verschaffen, um so seinen Blick
zu schärfen. Ein Einblick über derzeitig allgemein übliche Behandlungen
sowie Erfahrungsberichte Betroffener, sollen das Verständnis gegenüber bestimmten
Krankheitserscheinungen wecken und damit er sich das nötige Grundwissen zur Suche des geeigneten
Tierarztes aufbauen kann.
Die Tipps ersetzten selbstverständlich
keine qualifizierte Tierarztbehandlung!
Die hier wiedergegebenen Informationen sind lediglich Tipps für die Haltung und Pflege des
Kaninchens und ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden
(z.B. bei Anwendungsfehlern bzw. Falschinterpretation) die aus der Anwendung dieser
Informationen entstehen.
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